Special Tour Kamerun Oktober 19 - Reiseverlauf

Afrika Hautnah

Traditionen, Feste, Märkte in Nord-Kamerun

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Diese Reise ist ein Unikat – sie gibt es nur in diesem Oktober 2019. Evtl. nochmals zwei Jahre später: das große Fest im Bergdorf Oudjilah, dem karg-bergigen Kernland der Podoko, gibt es nur alle zwei Jahre. Andere Feste sind mit dabei, sehr interessante Märkte. Geleitet wird sie von meinem langjährigen Partner Dabala Dji (ein Mandara aus Rhumsiki) und mir (an diesem 3. Juni 70 werdend, auf Korsika).
Und es ist eine Reise für eine Minderheit – die bereit ist, im Verhältnis viel Geld für manchmal wenig Komfort und auch (immerhin den Rücken massierende) Schaukelei auf manchmal sehr schlechten Pisten auszugeben. Teuer sind hier nicht die Hotels oder das Essen; zu Buche schlagen die Fahrzeuge, die Logistik und Feste (z.B. die Fantasia mit geschmückten Pferden für uns), die nicht einfache Entwicklung dieser Tour, meine Reiseleitung.

Wir unternehmen eine Reise zu Menschen, über die hier nie berichtet wird. Die ebenso gut auf der anderen Seite des Mondes leben könnten – fernab von Vernetzung, Vermüllung im physischen wie geistigen Sinn; die noch nie etwas von Donald Trump gehört haben (die Glücklichen). Deren hartes Leben bestimmt wird vom wenigen Regen im Sommer, von der Hirseernte im Oktober. Denen wir uns mit Respekt nähern.

Koma-Frauen, Alantikaberge
Koma-Frauen, Alantikaberge

Deshalb die maximale Gruppengröße auf 9 in drei Fahrzeugen. Und deshalb auch eine quasi „handverlesene“ Reisegruppe. Wir brauchen niemanden, die/der hinterher Geld zurück fordert, weil irgendwo die Dusche nicht geht. Wir wollen weder unsensible Vielknipser, nicht Misstrauische, Humorlose und Intolerante. Wir möchten eine kleine, gute Gemeinschaft auf Zeit sein – neugierig, tolerant, offen, auch manchmal belastungsfähig. Die wissen, dass sich gerade auf dieser Reise einiges auch ändern kann. Auch sind alle Feste nicht garantiert – zum jetzigen Zeitpunkt ja. Aber wenn irgendwo gerade der Dorfchef z.B. gestorben ist, gibt es eine Verschiebung.

 

Die Höhepunkte:

  • Marai-Fest in Bergdorf Oudila – ein heiliger Ochse wird alle 2 Jahre geopfert, Tänze.
  • Rhumsiki mit den grandiosen Vulkanbergen: Wochenmarkt am Sonntag, Fest zur Hirseernte;
  • Lehm-Brennofen bei Mokolo (s. Bild): Schmelzen von Eisenerz, Hühneropfer;
  • Besuch von Pouss am Logone-Fluss mit dem Dienstagsmarkt östlich von Maroua und des Sultans;
  • Fantasia (geschmückte Pferde) vor dem Inselberg in Mindif südlich von Maroua;
  • Wochenmarkt von Guider, das Hahnenfest bei Kaélé (Tänze der Frauen mit Hahnenfedern);
  • Erntefest in den Alantikabergen (2 Tage leichtes Gehen).

Flüge: generell AIR FRANCE, Preis aktuell ca. 550 € inkl. Tax! Wir fliegen die Langstrecke dann alle zusammen. Keine Ausnahmen (es gibt auch keine brauchbaren Alternativen). Die Flugbuchung kann jede/r selbst machen, unter der Homepage von Air France. Nicht nur wer größer ist, sollte für den Rückflug (nachts) die „Premium Eco“ erwägen – quasi eine „Business light“ mit breiteren Sitzen, ca. 470 € mehr -  oder sich zumindest einen Fensterplatz in der 2-er-Reihe hinten reservieren (Zuzahlung, ca. 40 €).

SICHERHEIT: Letzte Geisteskranke der Boko Haram-Sekte haben sich auf Inseln im Tschadsee verschanzt. Es gibt auf unserer Route keinerlei Gefahr. Dennoch kommen auf einigen Strecken Gendarmen mit, wie zu den Alantikabergen (obwohl es dort noch nie Unsicherheit gab, auch nicht in Rhumsiki).

Reiseverlauf

1.  Tag / Di, 8.10.: Flug nach Yaoundé
Flug nach Paris, mit dem Bus ins Terminal 2 E, Start 10:15 nach Yaoundé, Ankunft um 19 Uhr. Der Flieger geht vorher runter in Bangui, Zentralafrik. Republik, dem zerrütteten Land. Yaoundé ist ein großes Dorf, und auch als solches wollen wir es auch morgen kennenlernen. Das Hotel ist in einem Tal, zwischen Bananenstauden und grasenden Ziegen und pickenden Hühnern. Anfahrt ein km über einen besseren Feldweg, auch das ist Yaoundé. Das Hotel hat 2 Etagen und ist ein Jahr alt, es gehört der Russin Elena und ihrem kamerunischen Mann Léon. Deshalb heißt das Hotel INTOURIST, von mir besucht im Januar. Die holen uns auch ab. Abends gibt´s eine russische Kleinigkeit (je ein Spanferkel und eine Flasche Wodka pro Person) – aber im Ernst – mit einem Wodka wollen wir hier anstoßen…

2.  Tag / Mi, 9.10.: Yaoundé (Reservetag)
Die Morgen WOLLEN wir nach Maroua fliegen. Die nationale Airline Camair-Co. hat gute Boeings, aber zeichnet sich zusehends durch manchmal eigenwillige Flugänderungen kurz vorher aus (ich sollte um 22 Uhr nach Maroua fliegen, aber der Flug ging schon vor 12 und war des deshalb weg)…Sollte der Flug ganz ausfallen, fliegen wir heute nach Garoua, 270 km weiter südlich, viele Schlaglöcher)… oder fahren heute Abend mit der Bahn nach NGaoundére. Deshalb dieser Puffertag.
So oder so, wir können Yaoundé erkunden. Wir gehen zu Fuß zu einer der Hauptstraßen und treffen „meinen Taximann“ Boris (kein Russe). Vier von uns fahren mit ihm, andere suchen sich ein Taxi für 100 CFA zum Mitfahren oder chartern eins. Wir besuchen den lebhaften Markt, laufen weiter zum zentralen Place de la Poste und zum hervorragenden Nationalmuseum im einstigen Palast des ersten Präsidenten Ahmadou Ahidjo (aus Garoua stammend), von 1960 – 1972.
Nachmittags gern eine Siesta, abends schlage ich das hervorragende „Café de Yaoundé“ vor – der beste Italiener, den ich kenne, auch vom Ambiente, verstreute Pavillons in einem subtropischen Garten, einfach toll. (F).

3. Tag / Do, 10.10.: Yaoundé - Maroua
Wir fahren nach einem herzhaften Frühstück (Omelett, evtl. etwas mitgebrachte Salami) zum Flughafen, was gern eine Stunde dauern kann, tagsüber. Im Idealfall fliegen wir ca. 11.30 nach Norden, Dauer ca. 1,5 Stunden.
Mit seinen schattigen Alleen und vielen Lehmhäusern hat sich Maroua zum großen Teil noch einen ländlichen Charakter bewahrt. Hier leben viele Kunsthandwerker, z.B. Schnitzer und Gelbgießer. Wir besuchen den zentralen Markt, das Handwerkszentrum und anschließend die Färber am Rand der Stadt.
Hotel: nicht mehr im „Porte Mayo“. Es hat zwar mit seinen Strohgedeckten Hütten einen einlullenden Charme, aber einer der zwei dort „hängen gebliebenen“ Deutschen ist aktiv in der Großwildjagd involviert… wir sind deshalb im neuen Riga Hotel (nein, nicht wieder Russisch, ein Mafa-Wort für „Stärke“ des Mafa-Besitzers Sakatai Vilday. Die Zimmer oben hat er mit OASE-Hilfe „ethnisch“ dekoriert und die Fernseher rausgeworfen; schöner Blick auf die Ebene mit den Bergen.
Abends gehen wir in die Gasse „L´avion me laisse“ – mit diversen Grillständen – frischer Fisch, brochettes mit gegrillten Kochbananen (Plantaines), dazu Bier bis zum Abwinken. Namensgebend war ein Franzose, dem es dort so gut gefiel, dass er seinen Flieger verpasste… (F / A).

4. Tag / Fr, 11.10.: Maroua – Mora – Oudjila – Koza (85 km)
85 km, etwa, aber welche Fülle von Eindrücken… wenige km nördlich von Maroua passieren wir einen 995 m hohen Inselberg, dann erheben sich Felsberge aus der Ebene, zum Teil mit aufgetürmten Granitkugeln, wie von einem spielerischen Gott aufgetürmt. Und Götter gibt es hier viel, im Land der Animisten, Anhänger der Natur-Religion: Glaube an die Beseeltheit der Dinge, von Pflanzen, Steinen, Tieren. Nach 50 Kilometern: Mora, mit dem Markt am Sonntag, auch umgeben von Bergen.
20 km weiter nordwestlich, zum Bergdorf Oudjila. Lange waren keine Touristen mehr da. Der berühmte Sicheltanz wurde für sie aufgeführt, heute erleben wir in live. Der gewaltige Saré, die Anlage aus eng zusammenstehenden runden Lehmhütten hoch auf dem Hügel gleicht einem riesigen Termitenbau. Dämmrige Kühle empfängt uns. In einer der Lehmhütten befinden sich Gräber der Vorfahren mit eingelassenen Hirsebierkrügen, denn auch die Ahnen haben Durst. Hier schläft die jüngste Frau des Chefs stellvertretend für seine verstorbenen Frauen. Nicht weit ist lebend ein Ochse eingemauert und wird durch ein Fenster ernährt. Heute hat er nach 2 Jahren die mythische Kraft erlangt und wird geopfert.

Oudjila TanzDer Chef Mozogo Daouka, im Amt seit 1964 (!) starb im letzten Juli im biblischen Alter von ca. 100 Jahren, ein Macho alter Schule: als Oberhaupt der ca. 25.000 Podoko hinterließ er 52 „verbliebene“ Frauen und 112 Kinder Kein leichtes Erbe für den Nachfolger, der aktuell noch immer nicht gefunden wurde, kein Wunder...
Das Marai-Fest heute beginnt gegen Mittags, passt also gut. Dem Ochsen werden die Adern geöffnet, das Blut aufgefangen, er ist von seinem zweijährigen Kerker-Dasein erlöst. Fleisch und Blut (für Suppe) werden an die Familie des Chefs und an Notabeln verteilt. Es fließt reichlich Hirsebier, und an diversen Stellen wird getanzt, auch der berühmte Sichel-Erntetanz (s. Bild, alte Postkarte) – sagte mir Dabala. Dafür kann ich also keine Garantie übernehmen…
Ca. 8 km weiter gehen wir etwas im kleinen Nationalpark von Mozogo und genießen die Ruhe und Vogelgezwitscher, sehen mit Glück Affen. Dann kommt bald die Passhöhe von Koza, mit wunderbarem Landschafts-Panorama: Berge, Familiengehöfte mit spitzen Strohdächern (wir sind nun im Gebiet der Mafa), Terrassenfelder.
Hier hat ein Ex-Minister 2013 mit gestohlenem Geld ein Hotel bauen lassen (das wird in Kamerun gern gemacht), mit 25 Zimmern und erstaunlichem Komfort, sogar mit italienischem Marmor. Ob die Duschen funktionieren nach so langem touristischem Stillstand in der Region ist nicht sicher…
(F / M-Pn / A).

5. Tag / Sa, 12.10.: Koza – Rhumsiki (65 km)
Nach ca. 10 km durch herrliche Landschaft ist Djinglya erreicht, mit einem der letzen zwei „Hochöfen“ aus Lehm (den zweiten bei Mokolo erleben wir später noch in Aktion) und einer Handwerks-Kooperative. Ob sie noch da ist nach nunmehr 6 Jahren touristischen Stillstands durch Boko Haram? Die Gefahr ist gebannt, aber die Behörden in Europa warnen noch immer zu Unrecht. Wenn der Laden noch oder wieder geöffnet hat: kaufen! Eine direktere Hilfe gibt es nicht. Vor allem schöne Körbe und Flechtwaren sind zu erstehen.
Hier werden auch Erdnüsse angebaut, in den feuchten Tälern wachsen Bananen, Mais und Zuckerrohr. Umso karger ist das Leben oben in den Bergdörfern der Mafa – die Fulbe-Eroberer Mafadorfnannten sie „Matakam“, die Unbekleideten. Wir werden ein Dorf besuchen. In dieser Gegend forschte und lebte immer wieder die deutsche Ethnologin Godula Kossack – unbedingt ihr Buch „Magie“ besorgen – „die Kraft zum Schaden oder Guten.“. Als ob das harte Leben vor allem für die Frauen (die kostenlose Landarbeiterinnen sind, viele Männer haben mehr als 5 Frauen) nicht reichte: „Schwarze Magie“ ist hier an der Tagesordnung, oft steckt Neid dahinter. Medizinmänner können „Verurteilten“ töten, wenn sie von ihm Haare oder z.B. Fingernägel haben. Kossack berichtet von Fällen, die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen.
Wir passieren Mokolo, dort Mittagspause, und uns trennen noch knapp 50 km von Rhumsiki. Die Piste war im Januar nur noch im Schritt-„Tempo“ zu befahren. Vielleicht ist sie ja gemacht bis Oktober, vielleicht…
Schon weit vor Rhumsiki ragen bizarre Felsen in den Himmel – stehen gebliebene Basaltfüllungen uralter Vulkane, deren weicher Bergmantel abgetragen ist. Hier verdichtet sich das alles noch, und von unserem „Campement“ mit den Rund-Bungalows haben wir einen grandiosen Blick vom leeren Pool auf die „schönste Landschaft der Welt.“ Der kleine Camp-Leiter Mamadou wird uns begrüßen wie Erlöser und den Kühlschrank gut gefüllt haben; selbst hier, DEM touristischen Highlight Kameruns, sind bis heute so gut wie keine Touristen. Es gibt kaum noch Stroh auf den Dächern, darunter leuchtet das Wellblech. Die Anlage soll diesen Sommer renoviert werden… stellen wir uns also lieber auf eine Eimerdusche ein… Besprechung mit den mir seit langem bekannten Guides, Zra, Deli, Kodji… viele heißen so.
(F / M / A).

Aus meinem Reiseführer Kamerun, für die kommende Auflage:

Namen bei den Mandara
Werdende Eltern diskutieren oft lange, bis sie sich bei uns auf einen Vornamen einigen können. Da haben es die Mandara einfacher: die Namen werden danach vergeben, in welcher Reihenfolge die Kinder das Licht der Welt erblickten. Deshalb findet man hier immer die gleichen Vornamen. Beim fünftgeborenen Kind haben beide Geschlechter den gleichen Namen: Kodji. Und bei Mädchennamen fiel den Kapsiki wohl nicht so viel ein: die vierte und auch sechste heisst Koteri…

  Name Junge Name Mädchen
1 Tizé Kovu
2 Zra Massi
3 Deli Kori
4 Vandi Koteri
5 Kodji Kodji
6 Teri Koteri

6.  Tag / So, 13.10.: Rhumsiki und Umgebung
Heute am Sontag ist der große Wochenmarkt in Rhumsiki, der sich schon ab morgens um 8 Uhr füllt. Der alte Teil wird unter Strohdächern abgehalten, die auf knorrigen Ästen liegen; Steine dienen den Händlerinnen oft als Sitzplatz. Der Markt ist groß, knallbunt, wunderschön. Abseits die Metzger, im Zentrum türmen sich Yams-Wurzeln, Zwiebeln, etwas Gemüse. Plastik-Tand aus China neben schönen Körben und Strohmatten. Die Hirsebier-Abteilung (weißes und rotes Hirsebier – aus Sorghum - , je nach der Hirse) ist schon morgens gut gefüllt. In Anbetracht des Festes heute Mittag sollten wir hier nichts trinken… übrigens vollkommen ungefährlich, denn das Bier wird über zwei Tage gekocht.
Detail-Infos Hirsebier

Rhumsiki

Wir werden den Markt aber bis 9 Uhr verlassen und etwa zwei Stunden in das Mandara-Dorf Roufta gehen, auf einem Hügel gelegen – herrliche Landschaft. Hier köchelten Frauen schon seit Tagen Hirsebier aus drei Säcken Hirse, das gibt ca. 200 Liter, aber es kommen ja viele zum Erntefest. Wir haben es hier für diesen Tag festgelegt - aber es ist nicht für uns, sondern authentisch, mit Tänzen, viel Lachen und Freude. Hier probieren wir auch spätestens lokales Essen – Bier braucht ja eine Grundlage. Für uns wird gekocht, ein typisches essen: Foléré - spinatähnliches Gemüse mit Erdnuss-Sauce und Fleisch; dazu Hirsebrei und „Couscous“, Fladen aus Maismehl, wie Polenta.
Danach ein Verdauungsgang von etwa einer Stunde leicht bergab nach Sirakotou, wo die Fahrzeuge uns abholen.
Wieder Abendessen und Übernachtung im „Campement.“ (F / M / A).

7.  Tag / Mo, 14.10.: Rhumsiki – Maroua (130 km)
Lehm-BrennofenWir besuchen noch die Weber und ein kleinen Shop in einem Lehmhaus und vor allem den Schmied in Amsa: er deutet mit seinem „Krabbenorakel“ die Zukunft – danach, wie eine Süßwasserkrabbe in einer großen Kalebasse kleine Stöckchen verschoben hat. So auf die Zukunft vorbereitet, fahren wir zurück nach Mokolo.
Kurz hinter Mokolo, im Dorf Ziver, warten schon Pokpok, seine Kinder und eigentlich alle Dörfler auf uns: der uralte Lehm-„Hochofen“ seines Urgroßvaters solle heute einmal wieder in Schwung gebracht werden. Auf dem Bild sind wir bei der Vorbesprechung Ende Januar; Pokpok wird den Brennofen bis Oktober noch traditionell farblich auffrischen (Erdfarben, weiß und schwarz). Dazu braucht es natürlich auch Hirsebier und ein Hühneropfer. Eisenerzhaltiges Gestein wird geschmolzen, der Blasebalg faucht. Bis in die 80er Jahre gab es noch viele solcher Öfen, s. René Gardi, „Mandara“ (nur noch antiquarisch).
Zurück in Maroua, installieren wir uns wieder im Hotel und essen in einem kleinen Restaurant, z.B. dem „Noumou“.
(F / M-Pn / A).

8.  Tag / Di, 15.10.: Maroua – Pouss (120 km)
Aufbruch nach Osten, zunächst nach Bogo, ca. 50 km. Noch im letzten Jahr brauchte man dafür zwei Stunden (und viel Staub in der Trockenzeit) – nun wird die neue Straße bis Guivirdig (70 km von Maroua) endlich bis zum Sommer fertig sein. In Guirvirdig wollen wir den Lamido besuchen.
Pouss liegt direkt am Logone-Fluss; wir sehen den verzierten Palais (Saré) des Sultans (Lamido). Wir versuchen, eine Audienz beim Sultan zu bekommen.
Außerhalb des Ortes stehen traditionelle, kuppelförmige Hütten der hier lebenden Mousgoum. Sie sind bis zu 7 m hoch. Das große Ereignis heute ist der Dienstags-Markt; viele Händler kommen auf dem Logone (Grenzfluss zum Tschad) mit ihren Booten, anderen auf Kamelen oder Eseln. Es ist ein Markt mit Fischern und Bauern, Sesshaften und Nomaden. Wir begegnen hier u.a. den ansässigen Mousgoum, Massa, arabischen Shoa, Kanouri vom Tschadsee und den Fulbe.

See
Mousgoum
  Foto: Hartmut Assmann

Nach dem Marktbesuch geht es rund 10 km nach Westen, zum Ort Maga. Der große Maga-See ist ein kontrolliert überflutetes Gebiet und dient der Bewässerung ausgedehnter Reisfelder. Mittlerweile haben sich Inseln und Kanäle gebildet; Fischer siedeln auf angelegten Hügeln im See. Die Wasserlandschaft mit ihren Wohnhügeln, Palmen (auch Flusspferden) ähnelt dem Okavango-Delta in Botswana... wir unternehmen hier eine etwa einstündige Bootsfahrt.
Abendessen und Übernachtung im guten Hotel Domaine du Lac (frz. Besitzer) am Maga-See, das oft im Winter für Jäger genutzt wird (Wildenten).
(F / M-Pn / A).

9.  Tag / Mi, 16.10.: Maga - Maroua (100 km)
Wir informieren uns am Maga-See noch über den Reisanbau, gemütliche Rückfahrt nach Maroua. Geplant ist dort ein Besuch des Projektes "Avenir Femme", wo junge Frauen Basiswissen nachholen können und eine praktische Ausbildung erhalten; das Projekt wurde von BROT FÜR DIE WELT finanziert. Mehr...
Noch etwas persönliche Zeit in Maroua – auf einem der Moped-Taxen z.B. den Ort erkunden oder nur irgendwo sitzen, schauen, beobachten.
Abendessen im Haus/auf der Terrasse von unserem Partner Dabala, seiner tollen Frau Massi, den zwei Mädchen und Sohn Mikel im Teenager-Alter.
(F / A).

10.  Tag / Do, 17.10.: Maroua – Mindif – Guider (140 km)
Das Dorf Mindif liegt 26 km südlich von Maroua; hier ragt der „Zahn“, der „Dent du Mindif“ weithin sichtbar aus der Ebene, auch ein Basaltberg. Jules Verne liess seine Ballonfahrer hier in „100 Tagen um die Welt“ eine Nacht verbringen. Wir erleben hier bei der einfachen Chefferie eine „Fantasia“ mit geschmückten Pferden, Trommlern und Flötenspielern.
FantasiaSüdwestlich von Guider kommen wir zu den rätselhaften Felsgravuren von Peske Bori. Es sind Ritzungen in verstreuten Kalk-Marmorsteinen, meist abstrakte Symbole, aber u.a. auch eine Schildkröte; entstanden in der frühen Eisenzeit (2.500 bis 1.500 v.Chr.). Etwas weiter sehen wir Abdrücke von Dinosauriern, die hier vor etwa 100 Mill. Jahren lebten.
10 km weiter östlich strömt der Mayo Louti nach der Regenzeit (bis Oktober) braun schäumend durch eine 20 m hohe, schmale Schlucht aus schwarzen und hellgrauen Basaltfelsen: Gorge du Kola. Aber auch in der Trockenzeit ist dieser Ort sehr eindrucksvoll.
Wir übernachten in Rund-Bungalows, boukaros, die vom Touristen-Ministerium vor einigen Jahren hingesetzt wurden und seither so gut wie nie benutzt wurden. Jemand bereitet das vor, wir kochen dort selbst, z.B. Spaghetti mit Tomatensauce und Rotwein dazu…
(F / M-Pn / A).

11.  Tag / Fr, 18.10.: Guider – Kaélé – Garoua (180 km)
Wir besuchen den Wochenmarkt heute am Freitag im nahen Guider und fahren von dort aus gut 50 km nordöstlich nach Kaélé – wo Kamerun im Norden als Dreieck in den Tschad hineinragt. Hier ist also heute das berühmte Fête du coq, das Hahnenfest. Es kommen zu solchen Festen auch (sehr bald schwitzende) Funktionäre mit Krawatte, aber die stören nicht und haben ihre Ehrentribüne. Vor den Offiziellen defilieren junge Männer mit Stöcken und Trommeln, tanzende Frauen. Aber abseits ist das „wirklche“ Hahnenfest: ein Hahn wird geopfert, Frauen tanzen mit helmartigen Kopfbedeckungen aus bunten Hahnenfedern. Wie die Erntetänze ist auch hier der Grund, Göttern zu danken und Regen für die nächste Hirse-Saison zu erbitten.
Garoua ist die Hauptstadt des Nordens. Sie hatte vor allem unter dem vorletzten Präsidenten Ahmadou Ahidjo Gewicht, der von hier stammte und das Land seit der Unabhängigkeit 1960 bis 1982 regierte und den mehr muslimischen Norden förderte. Garoua hat eine Universität und den einzigen Binnenhafen des Landes - aber der Bénoué ist nur von Juli bis Oktober schiffbar. Hier ist auch das Zentrum des Baumwoll-Anbaus; geerntet wird im Februar/März. Wir können am Markt Händler mit traditioneller Medizin besuchen - unter anderem Affen- und Krokodilköpfe, Krallen, Rinde, und viele Kräuter.
Abendessen und Übernachtung in einem neueren, kleinen Hotel am Ortsrand, das auch einem Mandara aus Dabalas Gegend gehört.
(F / M-Pn / A).

12.  Tag / Sa, 19.10.: Garoua – Wangai (230 km)
Wir fahren nun südlich knapp 95 km nach Gouna und von dort nach Westen auf einer schmalen Straße, zunächst nach Poli und Finyolé. Dort gibt es schon seit den 50er Jahren eine katholische Missionsstation. Hier und weiter südlich bis Voko ist das Siedlungsgebiet der Dowayo, weiter östlich bis Poli leben die Namdji. Der Ahnen- und Totenkult wird durch die Missionierung (die meisten sind nun Christen) nicht mehr praktiziert: einige Monate nach der Beerdigung (in Sitzhaltung) wurden die Schädel herausgeholt und in Tongefäßen aufbewahrt. Mit Perlen verzierte Puppen dienen dem Fruchtbarkeitskult (s. Buch von Christoph Krüger: Namchi: Puppen aus Kamerun – die Dowayo und ihr Kult, nur noch antiquarisch). Die Dowayo leben in kunstvollen Hütten mit spitzen Strohdächern.
Südlich bis Voko leben auch sesshaft gewordene Fulbe-Mbororo als Ackerbauern, die meisten sind Muslime: nirgendwo in Kamerun gibt es religiöse Spannungen oder Probleme zwischen Muslimen, Christen und Animisten, es herrscht eine beispielhafte Toleranz. Unbedingt besorgen: das Taschenbuch „Traumatische Tropen“ von Nigel Barley, der zwei Jahre Feldforschung bei den Dowayo machte und so manche Überraschung erlebte…
In Voko erledigen wir Formalitäten mit der Gendarmerie und fahren mit zwei „Bodygards“ durch einen Teil des Naturreservats Faro, dem größten (330.000 ha) Schutzgebiet des Nordens. Es dämmert seit Jahrzehnten vor sich hin, und es gibt kaum befahrbare Pisten. Wir sehen hier meist Affen und Antilopen, mit Glück auch Löwen.
In Wangai enden alle Pisten nach Norden; die Grenze zwischen Kamerun und Nigeria verläuft auf dem Bergkamm der Alantika-Berge. Vorstellung beim freundlichen Lamido; unser Partner Dabala beginnt mit den zunehmend lautstarken Verhandlungen, welche Träger uns ab morgen in die Berge begleiten.
Für die Koma sind einfache Kernseife und Tabak, Reis, etc. gute Geschenke; das besorgt und bezahlt der Guide.
Das Camp von Wangai, an einem kleinen Fluss, mit 7 einfachen Rund-Bungalows, ist 2017 fertig geworden. Wenn es Sprit für den Generator gibt, haben wir sogar warmes Wasser...
(F / M-Pn / A)

Verkürzung der Reise:
Wenn Sie nicht so viel Zeit haben, können Sie heute (normalerweise gegen 11 Uhr) von Garoua nach Yaoundé fliegen und dann nach Hause – oder nach Douala und noch am Meer verlängern.

13.- 14.  Tag / So-Mo, 20./21.10.: Zu den Koma, Alantikaberge
Mit Trägern und dem Nötigsten für zwei Nächte im Zelt nehmen wir den Bergpfad unter die Füße. Zunächst geht es etwa zwei Stunden in der Ebene nach Bimlerou Bas; hier leben schon viele Koma, am Rand der Berge. Weiter anderthalb bis zwei Stunden nach -, dem ersten unverfälschten Dorf der Koma. Hier gewinnen Sie die ersten, unverfälschten Eindrücke von der archaischen Lebensweise dieses fast vergessenen Bergvolkes. Die Dörfer sind sehr klein, umgeben ganzjährig von vielen Pflanzen; es ist hier immer grün. Es gibt genügend Hirse vor allem für Bier, auch Bananen und Papayas – alles umsonst. Die Koma brauchen praktisch kein Geld, tauschen manchmal etwas gegen Salz und Zucker.

Tanz Koma
  Foto: Jens Teuchert

Fast alle Frauen tragen Blätterröcke, und rauchen begeistert Pfeife mit selbst angebautem Tabak. Die kunstvollen Pfeifen können Sie dort kaufen. Nach dem Mittags-Picknick geht es weitere anderthalb bis zwei Stunden - diesmal recht steil - hoch zum Dorf Nagamalou, gelegen in einem Felskessel. Wir bauen unsere Zelte auf, richten uns ein, freundlich und distanziert umringt von freundlichen Koma. Hier übernachten wir – wahrscheinlich.
Wir gehen am nächsten Tag nach Koilo oder in ein anderes Dorf. Das hängt davon ab, wo gerade in der Nähe das „Lauro“-Erntefest gefeiert wird. Über Wochen hinweg ist hier irgendwo immer etwas los – ein guter Grund, Hirsebier trinken zu können…Übernachtung wieder im Camp von Wangai.
(F / M-Pn / A)

15. Tag / Di, 22.10.: Wangai – Ngaoundéré – Idool (290 km)
Ab 7 Uhr Wieder zurück via Poli an die N1, vorbei m Bénoué-Nationalpark (der diesen Winter geschlossen ist – Militärs vertreiben Wilderer und illegale Goldschürfer).
Fahrt zurück auf die N 1 und weiter nach Süden. Wir sehen heute sicher Peulh (auch Fulbe oder Fulani genannt). Einst Vollnomaden, sind sie von schlanker Statur, relativ hellhäutig; die (oft wunderschönen) Frauen geschminkt und geschmückt. Reiterheere der Fulbe unterwarfen Ende des 18. Jh. den Norden Kameruns und gründeten die Lamidate. Als Bororo-Nomaden sind sie in Niger bekannt und feiern dort jährlich im September die Gerewol-Hochzeitsfeste, andere Gruppen haben sich im Hochland von Guinea festgesetzt.
Ngaoundéré ist eine angenehme Stadt und Sitz eines noch immer mächtigen Lamidos.
Weiterfahrt zu den Tello-Wasserfällen in einer Grotte und zum phantastischen Fulbe-Dorf Idool. Hier werden wir schon erwartet. Idool wurde 1958 „modern“ mit geraden Straßen angelegt, die Eukyptusbäume sind schon sehr groß. Der junge Lamido führt uns herum – viele bemalte und verzierte Häuser mit großen Strohdächern. Übernachtung in Gästehäusern.
(F / M-Pn / A)

16. Tag / Mi, 23.10.: NGaoundéré – Yaoundé (Zug)
EisenbahnGemütliche Rückfahrt nach NGaoundére, zunächst zur Ranch von NGaoundaba mit herrlichem Blick auf den kreisrunden Kratersee, Mittagessen und Erholung. 35 km nach Ngaoundéré. Noch sehr traditionell ist das Lamidat – wir besuchen es. Beeindruckend ist der alte, strohgedeckte Empfangssaal mit mächtigen, wulstig-bunt verzierten Säulen.
Gegen 16 Uhr Rückfahrt nach NGaoundéré und ab 19:15 Uhr Beginn der Bahnfahrt nach Yaoundé. Der täglich verkehrende Zug ist tatsächlich fast immer pünktlich – ab Yaoundé fährt der Gegenzug um die gleiche Zeit, und es gibt nur eine Ausweichstelle. Übernachtung in 4er-Abteilen der 1. Klasse (sauber bezogene Liegen) jeweisl zu zweit; Essen im Abteil oder im Speisewagen. In den Gängen wachen Security-Mitarbeiter.
(F / M / A)

17.-18. Tag / Do-Fr, 24.-25.10.: Yaoundé – Abflug
Der Zug kommt in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr in Yaoundé an. Es gibt für den heutigen Tag mehrere Möglichkeiten:

  • Wenn Sie abends zurück fliegen, Entspannung in Yaoundé, z.B. in Noahs Country Club des-Tennisweltmeisters Yannick Noah mit Pool;
  • Tagesausflug, z.B. zu den Nachtigal-Wasserfällen mit Bootsfahrt (dann Bahnfahrt bis Obala, 60 km nördlich von Yaoundé)

Rückflug am späten Abend.

Leistungen: Programm wie beschrieben; Reiseleitung W. Gartung und Dabala Dji; Mahlzeiten wie angegeben (F = Frühstück, M = Mittagessen, M-Pn - Mittagspicknick (kalt) , A = Abendessen; Inlandsflug Yaoundé – Marua; Bahnfahrt 1. Klasse/Liegewagen NGaoundére – Yaoundé;  Campausrüstung (Kuppelzelte, Schlafmatte), Mineralwasser während der Reise vom 3. - 16. Tag; Reisehandbuch KAMERUN von W. Gartung mit Landkarte, Visabeschaffung.

Nebenkosten: Linienflüge (ab ca. 550 €); nicht enthaltene Mahlzeiten; Visakosten (120 € ); Versicherungen, Trinkgelder.

Weiteres
Tourdaten
Termine / Preise
08.10.2019 - 24.10.2019: 3190.00€

Eine Verkürzung der Reise auf 12 Tage ist möglich.

Basispreis: 3.190 €
+ Flug (ab ca. 500 €)
Einzelz.-Zeltzuschlag 120 €


DIE REISE IST MIT 9 TEILN. AUSGEBUCHT - wieder im Oktober 2021!
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Werner Gartung
Im Hirtenstück 3
D -69151 Neckargemünd

Mobil: + 49 (0)176 11 83 53 11
Mail: service@oasereisen.de