Tour 131 - Reiseverlauf

Wüsten-Karawane für Einsteiger

Von/nach Djerba ins rötliche Dünenmeer

Reiseziel ist der Ausläufer des großen Östlichen Erg ( = Sanddünengebiet); sein größter Teil befindet sich in Algerien. Wir sind westlich der alten Oase Ksar Rhilane unterwegs, wo schon die Römer Spuren in Form eines Kastells zur Sicherung ihrer Südgrenze hinterlassen haben. Unsere Partner-Agentur hat 20 km südlich der Oase ein Wüstencamp mit stationären Zelten eingerichtet, das wir aber gleich in Richtung der offenen Wüste verlassen. Die Dünen hier sind – im Gegensatz zu meist angebotenen Touren ab der Oase Douz weiter nördlich – nicht flach und hell, sondern höher und rötlich bis Orange. Sie genießen während 6 Tagen und 5 Nächten die Schönheit, Stille und Weite der Sanddünen. Sie haben Zeit, gehen oder reiten pro Tag vier bis 6 Stunden. Abends wird warm und sehr lecker gekocht. Die erste und letzte Nacht sind Sie im komfortablen Wüstencamp unserer Partnerin.

Bilder-Galerie (Fotos vom Februar 2020, vom Reiseleiter Vasil Nikolov Todev, Rumänien).

Die Insel Djerba mit ihren über 300.000 Dattelpalmen empfängt uns zu Beginn und zum Schluss als Oase im blauen Meer. Wer möchte, kann hier noch für ein paar Tage seine Reise verlängern und das Erlebte verarbeiten.
Ksar Rhilane ist eine kleine grüne Insel mit zerzausten Palmen, bedroht von Sand und Wüstenwind. Hier können Sie in einem Pool mit warmem Thermalwasser auch im Winter baden. Die Karawane lässt eine längst verloren geglaubte Reiseromantik wieder lebendig werden und mobilisiert ebenso die Sinne wie neue Kräfte. Jeder Teilnehmer hat “sein” Kamel; zusätzlich gibt es “Küchenkamele”. Wir legen gemächlich rund 20 km am Tag zurück. Sie entscheiden selbst, wann Sie reiten oder gehen möchten. Diese Reise ist auch für Anfänger gut zu schaffen. Wichtig sind auch Toleranz, Humor und die innere Einstellung – zum Beispiel, ein paar Nächte unter dem Sternenhimmel mehr schätzen zu können als immer nur Hotelzimmer.

Karawane
Am Feuer

Sie schlafen auf bequemen Matten im Zelt oder – zu empfehlen – im Freien unter dem grandiosen Sternenhimmel. Das Essen ist überwiegend vegetarisch – einfach, aber gut und abwechslungsreich. Mittags gibt es zum Beispiel Kartoffelsalat, Brot und Käse. Abends wird vor dem Hauptgericht eine Suppe gereicht; anschließend (je nach Saison) Äpfel, Orangen oder Datteln. Gutes Mineralwasser wir in 10 l-Flaschen mit geführt, um Abfall zu vermeiden, alles wird verbrannt. Umweltfreundlichkeit hat eine hohe Priorität; was nicht verbrannt werden kann, wird wieder mitgenommen. Unsere Partner-Agentur gehört einer etwa 70jährige Französin (seit Langem auf Djerba lebend) und ihrem tunesischen Partner M´hamed Bejedidi.
Wir reisen im nördlichen Bereich der Sahara. Hier sind die Temperaturunterschiede noch nicht so ausgeprägt wie in der zentralen Wüste. Allerdings kann es nachts vor allem zwischen Dezember und Februar kalt werden (nachts um Null, tagsüber etwa 20 Grad). Im November und März/April betragen die Tages-/Nachttemperaturen etwa 30 Grad Maximum und 10 Grad Minimum.

In Tunesien…
… begann im Januar 2011 der „Arabische Frühling“ – leider funktionierte er dort zunächst nicht. Ein junger Gemüsehändler hatte sich als Protest gegen hohe Preis und Korruption am 17.12.2019 selbst verbrannt und starb am 4.1.2011. Es kam überall zu Protesten, der damalige Präsident Ben Ali flüchtete am 11. Januar aus dem Land (er verstarb 2019 im Exil in Saudi-Arabien). Im Oktober 2011 gab es frei Wahlen – aber leider gewann die islamistisch Partei Enneda. 2012/13 kam es zu Übergriffen auf Abgeordnete und Politiker, die nicht der Ennahda-Partei angehörten. Die Ermordung des linken Oppositionspolitikers Chokri Belaïd am 6. Februar 2013, eines prominenten Kritikers der Ennahda-Partei, und Mohamed Brahmis am 15. Juli 2013 führten zu Massendemonstrationen gegen die Regierungspartei. Auch viele Frauen fühlten sich nach dem Sieg dieser Partei in ihren Rechten gefährdet, die ihnen schon Staatsgründer Habib Bourguiba 1956 und danach Ben Ali zugestanden hatten. So sollten sie zum Beispiel dem Mann nicht mehr „gleichgestellt“ sein, sondern ihn „ergänzen“ (Verfassungsentwurf vom August 2012). Am 7. Februar 2014 wurde die neue Verfassung, auf die sich am 27. Januar eine Mehrheit von 200 Abgeordneten (von insgesamt 216) aus fast allen Parteien geeinigt hatte, feierlich verabschiedet. Sie garantiert die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie die Gleichstellung von Mann und Frau und ist zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung „einzigartig in der arabischen Welt.
Tunesien wurde 2015 auf der Freedom Map 2015 als erstes arabisches Land mit dem Status „frei“ bewertet. 2017 erhielt es die Bestnote 1 bei der Bewertung der politischen Rechte. 2015 wurde das Tunesische Quartett für seine Bemühungen um die Demokratisierung und den nationalen Dialog nach der Revolution mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Vier Monate dauerte ab 2019 die Suche nach einem neuen Kabinett. Seite Ende Februar 2020 Ministerpräsident Fakhfakh das Plazet der tunesischen Abgeordneten. Es ist der Startpunkt eines steinigen Weges – Stichworte sind hier die hohe Arbeitslosigkeit, das hohe Staatsdefizit, die hohe Inflation und die sich verschlechternden öffentlichen Dienstleistungen. Tunesien steht unter dem Druck internationaler Kreditgeber, drastische Maßnahmen zur Wiederbelebung seiner Wirtschaft zu ergreifen. Der Tourismus war immer ein wichtiger Wirtschaftfaktor und kam jahrelang zum Erliegen. Nun geht es wieder langsam aufwärts.

Flugverbindungen nach Djerba…
… sind, salopp ausgedrückt nicht so prickelnd. Es gibt Charterflüge vor allem von der TUI von Frankfurt nach Djerba, aber nur zur Badesaison, die endet im Oktober. Und dann beginnt die Saison des Wüsten-Tourismus… Die Flugverbindungen sind für die Wintersaison erst ab Herbst bekannt. Wenn es nicht direkt funktioniert, dann via Tunis mit Umsteigen und/oder Frankreich (Paris oder Marseille).

Reiseverlauf*

* Der Reiseverlauf zeigt den “Idealzustand”. Änderungen durch behördliche Probleme oder Witterungsverhältnisse sind möglich.

Hotel1. Tag: Flug nach Djerba
Flug nach Djerba (wenn keine Flugänderung, am Sa ab Frankfurt direkt, 20:05 – 21:55 Uhr) oder via Marseille, Ankunft um Null Uhr 40. Aber es kann auch anders sein, s.o. (Flüge).
Abholung am Flughafen und Fahrt von ca. 15 km das angenehme Privathotel Dar Ali mit 15 schönen Zimmern um den Pool in Strandnähe.

2. Tag: Djerba – Médenine – Ksar Rhilane – Camp Zmela (250 km)
Sie verlassen bis 9 Uhr das Hotel nach Osten entlang der Hotelzone.
Es geht weiter die flache Insel mit Dattelpalmen, zwischen denen sich kleine Gehöfte hinter Kaktushecken verstecken. Da es oft lange Wartezeiten im Westen für die Autofähren gibt,Camp Zmela fahren wir hier über den drei km langen „Römerdamm“, der auch von Römern angelegt wurde aufs Festland und durch weite Olivenpflanzungen 60 km nach Medenine, dem eher gesichtslosen Hauptort der Berber-Region. Auf dem von Norden nach Süden ausgerichteten Bergplateau liegen auf rund 100 km Länge interessante, uralte Berberdörfer oft wie Adlernesten auf den schroffen, steinigen Bergen. Die Speicherburgen mit ihren tonnenförmigen Gewölben, Ghorfas, sind noch in einigen Orten erhalten, so wie in Ksar Haddada und Beni Khedache.Dort in der Nähe Mittagessen im Dar Enneim, einem Lokal umgeben von alten Ghorfas.
Wir erreichen Ksar Ghilane mit seinem römischen Fort. Es wurde in der französischen Kolonialzeit als Stützpunkt genutzt und auf römischen Fundamenten errichtet. Ein Obelisk erinnert an den Gewaltmarsch des Generals Leclerc vom Tschad quer durch die Sahara 1943, um gemeinsam mit den Alliierten Rommels Afrikakorps zu besiegen. Ksar Ghilane besteht im “Kern” aus einer schönen Thermalquelle und mittlerweile diversen Wüstencamps, die sich oft abends mit Touristen füllen. Es bietet sich die Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad im Pool der Oase – durch das natürlich-warme Thermalwasser ist es gerade im Winter ein Vergnügen.
Weiterfahrt auf sandigen Pisten knapp 20 km südlich nach Zmela, dem exklusiven Wüstencamp unserer Partner-Agentur vor dem Beginn des sich wogenden Dünen-„Meeres“. Sie übernachten in einem der großen, stationären Zelte mit je zwei Betten, Bettzeug und Decken. Externe Duschen und Toiletten; Abendessen (Menü), hier gibt es auch (noch) Wein und Bier…

3. – 8. Tag: Karawane in der Sandwüste
Heute Morgen können Sie zum letzten Mal für die nächsten 6 Tage noch eine (warme!) Dusche genießen.
Am Camp treffen wir unsere Begleiter mit ihren Kamelen (genauer: einhöckrige Dromedare). Nach der Begrüßung kommt die Auswahl “Ihres” Tieres (bei “Liebe auf den ersten Blick” sollten Sie sich gleich entscheiden). Nachdem alle Lasten verteilt sind, setzt sich dann bald die Karawane in Bewegung).
Bevor sich die “Wüstenschiffe” erheben, beschweren sie sich meist lautstark und mit gurgelndem Protest, werden aber bald wieder friedlich: reine Schau. Sie sind exzellente Schauspieler und gute Menschenkenner. Wenn Sie nett zu Ihrem Kamel sind, können Sie das gleiche auch von erwarten. Die Dromedare sind aneinander gebunden und folgen einem der Treiber. Die oft geäußerte Befürchtung, ein Kamel könne im Galopp durchgehen, ist nicht notwendig. Außerdem sind die Tiere friedlich und gut dressiert.

Dünen
Bepacken

Ihre Begleiter finden hier auch ohne Kompass ihren Weg. Wir gehen an schönen Dünen vorbei in die weite, grenzenlos erscheinende Steppe. An einem guten, geschützten Ort wird der Lagerplatz vorbereitet. Die Kamele “falten” sich zusammen, die Lasten werden abgenommen und verteilt und die “Wüstenschiffe” mit zusammengebundenen Vorderläufen die Nacht über auf Futtersuche geschickt. Schon ist das Küchenzelt aufgebaut, es flackert ein Feuer. Der Sonnenuntergang flammt in orangegelb oder blutrot. Der Himmel ist noch hell, als Jupiter schon leuchtet. Dann schiebt sich das Sternbild des Orion mit dem Saturn über den Horizont. Am Feuer singen unsere Begleiter alte Lieder und auch Modernes – meist ruhig und manchmal von Liebesleid, immer auf Arabisch und oft sehr rhythmisch. Wir klatschen mit und tanzen auch mal am Feuer – das hält warm und hat hier mit Animation der Touristenhotels nichts zu tun.
Die Wüste hat das klarste Licht und die reinsten Farben. Sie bietet weite Horizonte und Stressgeplagten absolute Stille. Sie schärft die Sinne für Kleinigkeiten – zwei grüne Grashalme, die aus dem Sand ragen, ein Vogel im einzigen Baum weit und breit. Und sie bietet jede Nacht das kostenlose Feuerwerk des funkelnden Sternenhimmels. Nicht im engen und lauten Geländewagen sollte man die Wüste bereisen, sondern mit Kamelen. Sie tragen uns im wiegenden, ruhigen Schritt. Von oben bieten sich neue Perspektiven. So wird der Weg schon zum Ziel.
Manchmal geht jemand nebenher und aus purer Freude so weit, bis die Karawane nur noch klein wie mechanisches Spielzeug zu sehen ist. Das Gehen wird hier wieder zur Freude, das einfache Leben zum Luxus. Häufig haben Tiere ihre Spuren hinterlassen – Wüstenmäuse, Raben, Wüstenfüchse, Gazellen, aber keine Schlangen oder Skorpione. Die sind hier sehr selten und zeigen sich erst in der heißen Zeit.

Camp
Feuer

Fast 6 Tage und 5 Nächte sind wir nun mit unseren Begleitern und den gutmütigen, Tuareg-Kamelen unterwegs – im „Reich des Sandes“. Die tägliche Geht- und Reitzeit beträgt gemütliche 4 bsi 6 Stunden.

Die Etappen in Kürze:
3. Tag: Zmela – Houdh Lagnam: wir über- und durchqueren den ersten Dünen-„Sperriegel“ westlich von Zmela.
4. Tag: Die Dromedare bringen uns etwa 12 km entlang einer lang gezogenen Düne nach Gouaret el Hab, zum südwestlichsten Punkt unserer Schleife gen Westen.
Karawane5. Tag: Die „Wüstenschiffe“ ziehen wiegenden Schritts über das „Dünenmeer“ nach Norden und Nordosten bis Houdh el Kalkh.
6. Tag: Über schöne Dünen nach Gour Kleb mit zwei verwitterten Felsmassiven im Sand.
7. Tag: Zum Brunnen von El Mida – die Dünen werden flacher. In einer Senke sammelt sich seltenes Regenwasser, es gibt einen Brunnen. Häufig sind hier Nomaden anzutreffen, Beduinenfamilien aus Algerien.
8. Tag: Zurück über mehrere Dünenketten mit flachen, bewachsenen Tälern in das Zeltlager, das uns ein Hilton-Hotel vorkommt.

9. Tag: Camp Zmela - Ksar Rhilane - Chenini - Djerba (210 km)
CheniniWir besteigen wieder den oder die die Geländewagen und fahren in die Dahar-Berge, bis heute Rückzugsgebiet von Berbern.
Der Ort Chenini wurde schon im 11. Jahrhundert gegründet und besticht durch seine Lage an zwei Felsspornen; die einfache, weiße Moschee leuchtet aus dem Bergsattel. Der Blick von oben fällt in das weite Halbrund eines natürlichen Amphitheaters, an dessen Flanke sich zwei parallele Reihen von Höhlenwohnungen hinziehen, die in das Gestein getrieben wurden. Viele sind noch bewohnt, wenngleich besonders hier fast nur von Frauen, Kindern und Alten (erwerbsfähige Männer arbeiten in Städten; viele Zeitungshändler in Tunis stammen von hier). Die Speicher auf der anderen Seite werden kaum noch benutzt und verfallen. Sehenswert ist auch einige Kilometer weiter die verzierte “Moschee der sieben Riesen” mit ihrem windschiefen Minarett neben überdimensionalen Gräbern von sieben Christen, die angeblich ihrer Verfolgung nur durch totenähnlichen Schlaf entkamen und zu Riesen heranwuchsen. Dann verlassen wir das Dahar-Bergland und erreichen wieder die Insel Djerba und das Hotel.
Bei einem Abschiedsessen lassen wir diese Reise ausklingen oder freuen uns auf die Verlängerung. Übernachtung wieder im Hotel Dar Ali.

10. Tag: Djerba - Rückflug
Flug entweder am Morgen (aktuell 07:30 Uhr) via Paris nach Frankfurt oder zu Ihrem Flughafen, im Oktober mit TUI nach Frankfurt, 03:15 – 05:20 Uhr. Oder via Tunis – die genauen Verbindungen werden erst im September bekannt sein.

Leistungen: Programm mit Vollpension (erster Tag ohne Abendessen); tunesische, deutschsprachige Reiseleitung; Reisepreis-Sicherungsschein.

Nebenkosten: Flüge (ab ca. 350 €), Versicherungen, Trinkgelder.

Tourdaten
Termine / Preise
14.11.2020 - 23.11.2020: 1290.00€
26.12.2020 - 04.01.2021: 1290.00€
06.02.2021 - 15.02.2021: 1290.00€


Basispreis: 1.290 €
EZ/Zelt-Zuschlag: + 80 €
Aufpreis bei 2 Teiln.: 300 € p.P.
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Werner Gartung
Im Hirtenstück 3
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