Special Tour Kamerun 2020 - Reiseverlauf

Afrika Hautnah

Traditionen, Feste, Märkte in Nord-Kamerun

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Diese Reise ist ein Unikat – so gibt es sie nur in diesem Oktober 2020. Es ist die Zeit der Erntefeste verschiedener, meist animistischer Völker im hohen, kargen Norden von Kamerun. Wir besuchen auch sehr interessante Märkte und erleben eine Fantasia“ mit geschmückten Pferden bei einem islamischen Lamido – Reminiszenz an die Fulbe-Eroberer im 18. Jh. Geleitet wird diese einzigartige Reise von meinem langjährigen Partner Dabala Dji (ein Mandara aus Rhumsiki) und mir, Werner Gartung (ich war zum ersten Mal 1973 in Kamerun, aus Europa mit dem Fahrrad kommend)…
Es ist eine Reise für eine Minderheit – die bereit ist, im Verhältnis viel Geld für manchmal wenig Komfort und auch (immerhin den Rücken massierende) Schaukelei auf manchmal sehr schlechten Pisten auszugeben. Teuer sind hier nicht die Hotels oder das Essen; zu Buche schlagen die Fahrzeuge, die Logistik und Feste (z.B. die Fantasia mit geschmückten Pferden für uns), die nicht einfache Entwicklung dieser Tour, meine Reiseleitung.
Wir unternehmen eine Reise zu Menschen, über die hier nie berichtet wird. Die ebenso gut auf der anderen Seite des Mondes leben könnten – fernab von Vernetzung, Vermüllung im physischen wie geistigen Sinn; die noch nie etwas von Donald Trump gehört haben und viele auch nicht vom Corona-Virus (die Glücklichen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte war und ist das hier auch nie ein großes Thema). Deren hartes Leben bestimmt wird vom wenigen Regen im Sommer, von der Hirseernte im Oktober. Denen wir uns mit Respekt nähern.

Oudjilah
Im Bergdorf Oudjilah

Deshalb die maximale Gruppengröße auf 9 in dann drei Fahrzeugen. Wir wollen weder unsensible Vielknipser, nicht Misstrauische, Humorlose und Intolerante, die sich über eine nicht funktionierende Dusche beschweren. Wir möchten eine kleine, gute Gemeinschaft auf Zeit sein – neugierig, tolerant, offen, auch manchmal belastungsfähig. Die wissen, dass sich gerade auf dieser Reise einiges auch ändern kann. Auch sind alle Feste nicht garantiert – zum jetzigen Zeitpunkt ja. Aber wenn irgendwo gerade der Dorfchef z.B. gestorben ist, gibt es eine Verschiebung.
Den Inlands-Flugtagen geschuldet, sind wir am letzten Tag noch mit dem Motorboot von Douala aus in Mangroven-Creeks bis zum Sanaga-Fluss unterwegs und besuchen das Schimpansen-Projekt „Papaye“ – hier haben Chimps-Waisen auf nun drei Inseln eine neue Heimat gefunden. Sie können dann z.B. am Strand von Kribi die Reise noch in einem sehr guten Hotel verlängern.

Die Höhepunkte:

  • Anreise durch den Regenwald über Bertoua in den Norden; Übernachtung in einer urwüchsigen Ranch mit Kratersee;
  • Rhumsiki mit den grandiosen Vulkanbergen: Wochenmarkt am Sonntag, Fest zur Hirseernte;
  • Lehm-Brennofen bei Mokolo, Schmelzen von Eisenerz, Hühneropfer und Tanzfest;
  • Das ebenfalls nur einmal jährlich begangene Marai-Fest der Mofou westlich von Maroua;
  • Besuch von Pouss am Logone-Fluss mit dem Dienstagsmarkt östlich von Maroua und des Sultans;
  • Fantasia (geschmückte Pferde) vor dem Inselberg in Mindif südlich von Maroua;
  • Freitags-Wochenmarkt in Guider, die beeindruckende Basaltschlucht von Kola
  • Hahnenfest bei Kaélé (Tänze der Frauen mit Hahnenfedern, Männer mit Stöcken und roten Hütchen);
  • Der Sonntags-Wochenmarkt von Pitoa, Insel mit Klippschliefern im Lagdo-See;
  • Mit dem Motorboot durch Mangrovenwälder an den Atlantik, Schimpansen am Sanaga.

Flüge: generell AIR FRANCE; wir fliegen die Langstrecke dann alle zusammen. Wer anders fliegen will, z.B. Turkish (mit Riesen-Umweg…) muss dann mit dem Taxi ins Hotel fahren.
SICHERHEIT: Letzte Geisteskranke der Boko Haram-Sekte haben sich auf Inseln im Tschadsee verschanzt. Es gibt auf unserer Route keinerlei Gefahr. Dennoch kommen auf einigen Strecken (an vier Tagen, so nach Rhumsiki) Gendarmen mit (obwohl es dort noch nie Unsicherheit gab).

Reiseverlauf

1. Tag / Di, 20.10.2020.: Flug nach Yaoundé
Flug nach Paris (z.B. ab Frankfurt um 07:05 Uhr), mit dem Bus ins Terminal 2 E, Start 10:10 nach Yaoundé, Ankunft um 19:05 Uhr – Zwischenlandung in Bangui/Zentralafrik. Republik. Fahrt durch das immer lebendige „große Dorf“ Yaoundé in das neuere, angenehme Hotel Jouvence International mit nur gut 30 Zimmern.

2. Tag / Mi, 21.10.: Yaoundé – Bertoua (350 km)
Vorbei am Flughafen und auf guter Straße südlich -  in den kleinen Nationalpark von Mfou, 30 km südöstlich von Yaoundé. Hier leben verschiedene Primatenarten in Halbfreiheit - Gorillas, Schimpansen, Mandrills etc. Oft sind es Affenbabys, deren Eltern umgebracht wurden. Hier werden sie aufgenommen und gepflegt. Hier haben Sie sehr nah an der großen Hauptstadt (rund 2,7 Mill. Einwohner) einen guten Eindruck vom Regenwald.
30 km zurück und Weiterfahrt östlich auf guter Straße nach Osten - die Strecke wurde Anfang des 20. Jh. von den Deutschen während der Kolonialzeit (bis 1914) trassiert und vor einigen Jahren von Brasilianern neu gebaut.  In Ayos, 140 km östlich von Yaoundé, zeugen davon noch alte Häuser. Vor allem in Doumé, rund 40 km vor Bertoua, ist die deutsche koloniale Vergangenheit deutlich auf dem Hügel mit alten Gebäuden und dem Fort zu sehen. Bertoua ist die letzte größere Stadt im Südosten, umgeben von Regenwald (und mit diversen Geldautomaten).
Abendessen (Buffet) und Übernachtung im Hotel Mansa, dem ex-Novotel, vor einigen Jahren renoviert; kleine, aber „funktionierende“ Zimmer.
(F /M-Pn / A)

3. Tag / Do, 22.10.: Bertoua – vor NGaoundéré (470 km)
RanchDie Straße ist weiterhin exzellent, die km-Zahl also kein Problem. Garoua-Boulaï liegt direkt an der RCA-Grenze, hier ein einfaches Mittagessen.
Weiterfahrt nach Norden und zur Ranch de NGaoundaba. Die Mahlzeiten werden im ebenso rustikalen Haupthaus am langen Tisch serviert. An den Wänden hängen Antilopenhörner und andere Jagd-Trophäen. Sie künden von der Geschichte der Ranch, die Ende der 50er Jahre vom Franzosen Henri Eyt-Dessus für Jagd-Safaris gegründet wurde. Er starb 1989; sein Sohn Pascal macht weiter – ohne Jagd, aber mit Rinderzucht auf 34 Hektaren Land; es gibt 14 fest angestellte „Cowboys“.
Von Hügel in der Lodge sieht man auf den Kratersee. (F /M / A)

4. Tag / Fr, 23.10.: NGaoundéré - Garoua (280 km)
Wer möchte, kann vor dem Frühstück einen Gang um den Kratersee unternehmen (ca. eine Dreiviertelstunde). Rückfahrt von knapp 40 km auf der Asphaltstraße, 27 km Pistenfahrt nach Idool - das Dorf der sesshaften Fulbe ist in jeder Hinsicht einzigartig: Es gibt gerade Straßen und –Wege, gesäumt mit hohen Eukalyptusbäumen – der Ort wurde schon Ende der 50er Jahre so angelegt. Hinter Lehmmauern stehen schöne Rundhütten mit lange herunterhängenden

Strohdächern, wie zottlige Frisuren, Bananenstauden und Papayabäume. Auch der Eingang zum Sitz des Lamido, des noch jungen, charmanten traditionellen Herrschers ist mit Stroh gedeckt, die Säulen sind bunt verziert. Alle Arbeiten im Dorf werden gemeinschaftlich erledigt.
Dann zu den beeindruckenden Wasserfällen von Tello, die man von einer riesigen Grotte von hinten aus sehen kann und von unten von vorn.
Ngaoundéré ist eine angenehme Stadt und Sitz eines noch immer mächtigen Lamidos.
Noch sehr traditionell ist das Lamidat von Ngaoundéré. Beeindruckend ist der alte, strohgedeckte Empfangssaal mit mächtigen, wulstig-bunt verzierten Säulen.
15 km nördlich von NGaoundére steigt die Straße kurvenreich auf das Adamoua-Plateau. Wir reisen nun zügig nach Norden, vorbei am Bénoué-Nationalpark (so kurz nach der Regenzeit ist es noch zu früh für gute Tier-Beobachtungen). Beim Parkeingang das „Dorf der 20 Stämme“. 1998 entstand das Dorf, also lange vor dem Terror durch Boko Haram. Grund war der Mangel an Ackerland in vielen Siedlungen des extremen Nordens: die Bergvölker, einst vor Sklavenjägern der Fulbe in die Berge geflüchtet, haben viele Nachkommen und nur karge Anbau-Terrassen an steinigen Berghängen. Hier aber gab es mehr Regen und gute, fruchtbare Böden. Das Land gehört traditionell jenen, die es bestellen. Die Regierung half mit Transport, Brunnenbau, Saatgut. Die dort lebenden Menschen der Douros und Mboum – durchaus nicht auf Rosen gebettet – übten sich nicht wie Europa in Abschottung, sondern in Solidarität. Sie halfen den Neuankömmlingen, Boden urbar zu machen, Lehmhütten zu bauen, Stroh für die Dächer zu schneiden.
Garoua ist die größte Stadt im Norden. Sie hatte vor allem unter dem vorletzten Präsidenten Ahmadou Ahidjo Gewicht, der von hier stammte, das Land seit der Unabhängigkeit 1960 bis 1982 regierte und den mehr muslimischen Norden förderte. Garoua hat eine Universität und den einzigen Binnenhafen des Landes - aber der Bénoué ist nur von Juli bis Oktober schiffbar. Garoua ist auch das Zentrum des Baumwoll-Anbaus; geerntet wird im Februar/März. Essen und Übernachtung im sehr guten Hotel „Tour d´Argent“. (F /M / A)

5. Tag / Sa, 24.10.: Garoua – Dourbeye - Rhumsiki (160 km)
Gleich nach dem Frühstück besuchen wir unweit des Hotels Händler mit traditioneller Medizin - unter anderem Affen- und Krokodilköpfe, Krallen, Rinde, Kräutern. Dann geht es erstmals (an insgesamt 4 Tagen) mit Begleitung einiger B.I.R.-Soldaten (Brigade d´Intervention Rapide) auf eine meist schlechte Naturpiste gen Norden zunächst nach Dourbeye (90 km) und noch 60 km weiter via Bourrah entlang der Grenze zu Nigeria nach Rhumsiki. Schon vor Rhumsiki ragen bizarre Felsen in den Himmel – stehen gebliebene Basaltfüllungen uralter Vulkane, deren weicher Bergmantel abgetragen ist.

Schmied

Wir besuchen noch die Weber und ein kleinen Shop in einem Lehmhaus und vor allem den Schmied in Amsa: er deutet mit seinem „Krabbenorakel“ die Zukunft – danach, wie eine Süßwasserkrabbe in einer großen Kalebasse kleine Stöckchen verschoben hat.
Von unserem „Campement“ mit den Rund-Bungalows haben wir einen grandiosen Blick vom leeren Pool auf die „schönste Landschaft der Welt.“ Der kleine Camp-Leiter Mamadou wird uns begrüßen wie Erlöser und den Kühlschrank gut gefüllt haben; selbst hier, DEM touristischen Highlight Kameruns, sind bis heute so gut wie keine Touristen. Es gibt kaum noch Stroh auf den Dächern, darunter leuchtet das Wellblech. Die Anlage sollte schon 2019… renoviert werden… aber es kommt kaum jemand…stellen wir uns also lieber auf eine Eimerdusche ein… Abendessen und Übernachtung. (F / M / A).

6. Tag / So, 25.10.: Rhumsiki – Mokolo – Maroua (120 km)
TanzHeute ist ein prall gefüllter Tag mit gleich zwei Festen – und heute am Sonntag ist der große Wochenmarkt in Rhumsiki. Der alte Teil wird unter Strohdächern abgehalten, die auf knorrigen Ästen liegen; Steine dienen den Händlerinnen oft als Sitzplatz. Der Markt ist groß, knallbunt, wunderschön. Abseits sind die Metzger, im Zentrum türmen sich Yams-Wurzeln, Zwiebeln, Gemüse. Plastik-Tand aus China neben schönen Körben und Strohmatten. Die Hirsebier-Abteilung (weißes und rotes) ist schon morgens gut gefüllt. In Anbetracht des Festes heute Mittag sollten wir hier nichts trinken… übrigens ist es vollkommen ungefährlich, denn das Bier wird über zwei Tage gekocht.
Wir werden den Markt bis 9 Uhr verlassen und etwa drei km in das Mandara-Dorf Roufta gehen, auf einem Hügel gelegen – herrliche Landschaft. Hier köchelten Frauen schon seit Tagen Hirsebier aus drei Säcken Hirse, das gibt ca. 200 Liter, aber es kommen ja viele zum Fest mit Tänzen, viel Lachen und Freude. Wir erleben das LA-Fest, „La“ sind die jung Verheirateten, gekoppelt mit dem Erntefest. Die jungen Frauen sind rot geschminkt mit Schmuck in den Haaren, tanzen im Kreis. Männer tragen oft rote Kappen und Straußenfedern. Wir verkosten typisches Essen: etwa Foléré - spinatähnliches Gemüse mit Erdnuss-Sauce und Fleisch; dazu Hirsebrei und „Couscous“, Fladen aus Maismehl, wie Polenta. Danach ein Verdauungsgang von etwa einer Stunde leicht bergab nach Sirakotou, wo die Fahrzeuge uns abholen.

Namen bei den Mandara
Werdende Eltern diskutieren oft lange, bis sie sich bei uns auf einen Vornamen einigen können. Da haben es die Mandara einfacher: die Namen werden danach vergeben, in welcher Reihenfolge die Kinder das Licht der Welt erblickten. Deshalb findet man hier immer die gleichen Vornamen. Beim fünftgeborenen Kind haben beide Geschlechter den gleichen Namen: Kodji. Und bei Mädchennamen fiel den Kapsiki wohl nicht so viel ein: die vierte und auch sechste heisst Koteri…

  Name Junge Name Mädchen
1 Tizé Kovu
2 Zra Massi
3 Deli Kori
4 Vandi Koteri
5 Kodji Kodji
6 Teri Koteri

Nach Mokolo sind es zwar nur rund 40 km, aber die Piste wurde immer schlechter – sollte sie endlich instandgesetzt sein, wäre das eine gute Überraschung. Im nahen Dorf Ziver warten schon der Schmied Pokpok, seine Kinder und eigentlich alle Dörfler auf uns: der uralte Lehm-„Hochofen“ seines Urgroßvaters soll heute einmal wieder in Schwung gebracht werden. Dazu braucht es natürlich auch Hirsebier (das seit dem Morgen getrunken wurde) und ein Hühneropfer. Eisenerzhaltiges Gestein

Brennofen
Brüderschaft

wird geschmolzen, der Blasebalg faucht. Traditionell wurde an vielen Orten in den Mandara-Bergen so Erz geschmolzen und jetzt am Ende der Regenzeit symbolisch gereinigt, natürlich immer durch Bitte der Hilfe von Ahnen. Dies hier ist der letzte Lehmbrennofen; 2019 wurde er mit unserer Hilfe renoviert. Bis in die 80er Jahre gab es noch viele solcher Öfen, s. René Gardi, „Mandara“ (nur noch antiquarisch). Die Frauen tanzn begeistert, Männer trinken auf die Freundschaft, symbolisch aus einer Kalebasse.
Mit seinen schattigen Alleen und vielen Lehmhäusern hat sich Maroua zum großen Teil noch einen ländlichen Charakter bewahrt. Unser Standort in Maroua ist das Riga Hotel (nein, nicht Russisch, ein Mafa-Wort für „Stärke“ des Mafa-Besitzers Sakatai Vilday. Die Zimmer oben hat er mit OASE-Hilfe „ethnisch“ dekoriert und die Fernseher rausgeworfen; schöner Blick auf die Ebene mit den Bergen.(F / M / A).

7. Tag / Mo, 26.10.: Maroua –- Méri - Maroua (50 km)
18 km nach Norden auf der Asphaltstraße, dann nochmals 18 km Pistenfahrt gen Nordwesten – wir sind im Dorf Méri. Dieses Dorf Mofou ist nicht besonders sehenswert – auch nicht das kleine Nachbardorf Wazang. Klar, die Lehmgehöfte sind schön, wenngleich auch hier oft Wellblech in der Sonne leuchtet statt der klimatisch viel besseren Strohdächer. Aber heute wird hier das Erntefest Marai abgehalten, alle sind auf den Beinen. Es ist eines der eindrucksvollsten Feste des ganzen Nordens und lässt alte Zeiten wieder aufleben – viele Männer sind wie in den alten Zeiten als Krieger mit Lanzen, Speeren und Schilden aus Nilpferdhaut gekommen. Am Fuß der Berge von Wazang opfert der Dorfchef symbolisch einen Ziegenbock, um die Ernte zu feiern und allen ein gutes, langes Leben zu wünschen. Flötenspieler und Trommler heizen die Stimmung auf, es wird getanzt und gefeiert.
Zurück nach Maroua. Hier leben viele Kunsthandwerker, z.B. Schnitzer und Gelbgießer. Wir besuchen am Nachmittag noch den zentralen Markt, das Handwerkszentrum und anschließend die Färber am Rand der Stadt. (F / M-Pn / A).

8. Tag / Di, 27.10.: Maroua – Pouss - Maroua (230 km)
Aufbruch nach Osten, zunächst nach Bogo, ca. 50 km. Die neue Straße bis Guivirdig (70 km von Maroua), seit 2018 versprochen, war im Frühjahr 2020 noch immer nicht fertig... Pouss liegt direkt am Logone-Fluss; wir sehen den verzierten Palais (Saré) des Sultans (Lamido). Wir versuchen, eine Audienz beim Sultan zu bekommen.
Außerhalb des Ortes stehen traditionelle, kuppelförmige Hütten der hier lebenden Mousgoum. Sie sind bis zu 7 m hoch. Das große Ereignis heute ist der Dienstags-Markt; viele Händler kommen auf dem Logone (Grenzfluss zum Tschad) mit ihren Booten, anderen auf Kamelen oder Eseln. Es ist ein Markt mit Fischern und Bauern, Sesshaften und Nomaden. Wir begegnen hier u.a. den ansässigen Mousgoum, Massa, arabischen Shoa, Kanouri vom Tschadsee und den Fulbe.

See
Mousgoum

Nach dem Marktbesuch geht es rund 10 km nach Westen, zum Ort Maga. Der große Maga-See ist ein kontrolliert überflutetes Gebiet und dient der Bewässerung ausgedehnter Reisfelder. Mittlerweile haben sich Inseln und Kanäle gebildet; Fischer siedeln auf angelegten Hügeln im See. Die Wasserlandschaft mit ihren Wohnhügeln, Palmen (auch Flusspferden) ähnelt dem Okavango-Delta in Botswana... wir unternehmen hier eine etwa einstündige Bootsfahrt.
Rückfahrt nach Maroua, Abendessen und Übernachtung wieder im Riga-Hotel. (F / M-Pn / A).

9. Tag / Mi, 28.10.: Maroua – Oudjilah - Maroua (210 km)
Gut 100 km nach Norden bis Mora, aber welche Fülle von Eindrücken… wenige km nördlich von Maroua passieren wir einen 995 m hohen Inselberg, dann erheben sich Felsberge aus der Ebene, zum Teil mit aufgetürmten Granitkugeln, wie von einem spielerischen Gott aufgetürmt. Und Götter gibt es hier viel, im Land der Animisten, Anhänger der Natur-Religion: Glaube an die Beseeltheit der Dinge, von Pflanzen, Steinen, Tieren. Nach 50 Kilometern: Mora, , auch umgeben von Bergen.
Oudjilah20 km weiter nordwestlich, zum Bergdorf Oudjila. Lange waren keine Touristen mehr da. Der gewaltige Saré, die Anlage aus eng zusammenstehenden runden Lehmhütten hoch auf dem Hügel gleicht einem riesigen Termitenbau. Dämmrige Kühle empfängt uns. In einer der Lehmhütten befinden sich Gräber der 14 Vorfahren mit eingelassenen Hirsebierkrügen, denn auch die Ahnen haben Durst. Hier schläft die jüngste Frau des Chefs stellvertretend für seine verstorbenen Frauen. Nicht weit ist lebend ein Ochse eingemauert und wird durch ein Fenster ernährt. Im nächsten Jahr hat er nach 2 Jahren die mythische Kraft erlangt und wird geopfert. Wir konnten die Zeremonie 2019 einmalig besuchen – es wird nicht wieder erlaubt sein. Auch lässt sich das Fest hier, etwa 10 Tage vor den anderen, schlecht kombinieren. Aber wir erleben hier den berühmten Sicheltanz der Frauen und Mädchen, mit Rasseln an den Fußgelenken.
Der Chef Mozogo Daouka, im Amt seit 1964 (!) starb 2019 im biblischen Alter von ca. 100 Jahren, ein Macho alter Schule: als Oberhaupt der ca. 25.000 Podoko hinterließ er 52 „verbliebene“ Frauen und 112 Kinder.
Hier werden auch Erdnüsse angebaut, in den feuchten Tälern wachsen Bananen, Mais und Zuckerrohr. Umso karger ist das Leben oben in den Bergdörfern der Mafa – die Fulbe-Eroberer nannten sie „Matakam“, die Unbekleideten. Wir werden ein Dorf besuchen. In dieser Gegend forschte und lebte immer wieder die deutsche Ethnologin Godula Kossack – unbedingt ihr Buch „Magie“ besorgen – „die Kraft zum Schaden oder Guten.“. Als ob das harte Leben vor allem für die Frauen (die kostenlose Landarbeiterinnen sind, viele Männer haben mehr als 5 Frauen) nicht reichte: „Schwarze Magie“ ist hier an der Tagesordnung, oft steckt Neid dahinter. Medizinmänner können „Verurteilten“ töten, wenn sie von ihm Haare oder z.B. Fingernägel haben – es lässt sich nicht wissenschaftlich erklären.
Abendessen im Garten von unserem Partner Dabala, seinen drei fast erwachsenen Kindern.
(F / M-Pn / A).

10. Tag / Do, 29.10.: Maroua – Mindif – Guider (140 km)
Besuch des Projektes "Avenir Femme", wo junge Frauen Basiswissen nachholen können und eine praktische Ausbildung erhalten; das Projekt wurde von BROT FÜR DIE WELT finanziert. Mehr...
Das Dorf Mindif liegt 26 km südlich von Maroua; hier ragt der „Zahn“, der „Dent du Mindif“ weithin sichtbar aus der Ebene, auch ein Basaltberg. Jules Verne ließ seine Ballonfahrer hier in „80 Tagen um die Welt“ eine Nacht verbringen. Wir erleben hier bei der einfachen Chefferie eine „Fantasia“ mit geschmückten Pferden, Trommlern und Flötenspielern.
Nicht weit besuchen wir eine kleine, interessante Kooperative von muslimischen Frauen in leuchtend bunten Gewändern – im Lehmhof werden schöne Stoffe gewebt und ebenso attraktive, farbige Bastteller gefertigt, die sich gut als Wand-Deko oder einfache als Untersetzer für den Topf mit Boef Bourguignon eignen… Fahrt auf die N1, vor bei am Flughafen von Maroua in Salak und weiter nach Süden in den beschaulichen Ort Guider. Kleines, sauberes Hotel. (F / M-Pn / A).

11. Tag / Fr, 30.10.: Guider – Kaélé (60 km)
Wir besuchen den bunten Wochenmarkt heute am Freitag in Guider und fahren von dort zu den rätselhaften Felsgravuren von Peske Bori. Es sind Ritzungen in verstreuten Kalk-Marmorsteinen, meist abstrakte Symbole, aber u.a. auch eine Schildkröte; entstanden in der frühen Eisenzeit (2.500 bis 1.500 v.Chr.). Etwas weiter sehen wir Abdrücke von Dinosauriern, die hier vor etwa 100 Mill. Jahren lebten.
10 km weiter östlich strömt der Mayo Louti jetzt nach der Regenzeit (bis Oktober) braun schäumend durch eine 20 m hohe, schmale Schlucht aus schwarzen und hellgrauen Basaltfelsen: Gorge du Kola. Weiter wieder 15 km nach Norden – von dort waren wir gestern gekommen, aber es geht nicht anders - nach Kaélé – wo Kamerun im Norden als Dreieck in den Tschad hineinragt. 11 km westlich von Kaélé, Richtung Midjiving, liegt der geheimnisvolle Lac Bobouo, umgeben von Felsen und vor riesigen Granitkuppen. Im See leben noch Krokodile.
Nettes kleines Hotel auch hier in Kaélé, „Le Palmier“, mit großer, offener Terrasse.
(F / M-Pn / A).

12. Tag / Sa, 31.10.: Kaélé - Garoua 250 km)
In Bidzili ist also heute das berühmte Fête du coq, das Hahnenfest. Es kommen zu solchen Festen auch (sehr bald schwitzende) Funktionäre mit Krawatte, aber die stören nicht und haben ihre Ehrentribüne. Die überwiegend animistischen, auch christlichen Bauern und Viehzüchter der Toupouri leben östlich von Kaélé bei Yaouga am Logone im überwiegend muslimischen Umfeld. Traditioneller Herrscher (Lamido) über etwa 50.000 Menschen ist der Lamido, Sa Majesté Madi Welga Doura, ein gemütlicher Mann. In den 12 größeren Dörfern der Region wird jedes Jahr etwa Mitte Oktober das Hahnenfest veranstaltet, La fête du coq. Es beginnt einige Wochen vorher mit der

Bidzili
Chef Bizili

symbolischen Reinigung des Lamido im Heiligen Wald und einem Ziegenopfer. Der beim Fest geopferte Hahn ist Symbol für das Wohlergehen des ganzen Dorfes im kommenden Jahr.
Jedes Dorf richtet das Fest 5 Jahre hintereinander aus - seit 2018 ist es Bizili, das Dorf des Lamido, gut 40 km östlich von Kaélé. Es wird also noch bis 2022 in Bizili stattfinden, dann woanders. Haucht der Hahn auf der linken Seite statt rechts sein Leben aus, bedeutet es Unglück, ein anderes Dorf kommt im nächsten Jahr dran. Tänze mit vielen Akteuren, überwiegend jungen Männern: sie tragen Hosen in den Nationalfarben Kameruns (grün, gelb, rot), oft rote Hüte und Stöcke. Frauen kommen dann tanzend aus der anderen Richtung, mit viel Weiß. Im Innern des Kreises reiben Frauen knieend symbolisch Hirse.
Rückfahrt, wieder an Guider vorbei, nach Garoua. Abendessen und Übernachtung wieder im sehr gut geführten, kleinen Hotel am Ortsrand, das auch einem Mandara aus Dabalas Gegend gehört, dem Tour d´Argent. (F / M-Pn / A).

13. Tag / So, 01.11.: Garoua – Pitoa – Lagdo – Garoua (160 km) – Flug nach Douala
Morgens Fahrt von 18 km nach Pitoa. Das Straßendorf verwandelt sich jeden Sonntag in einen riesigen Markt, einer der interessantesten von Nord-Kamerun – hierher kommen auch viele Fulbe und sesshafte Fali. Von hier führt eine Naturstraße 22 km östlich nach Lagdo, am Nordufer des Stausees; der Staudamm wurde von Chinesen zwischen 1977 und 1982 erbaut. Wir fahren mit dem Motorboot zur nahen Insel „au Damas“, so benannt nach den vielen Klippschliefern, die hier zwischen den Felsen ein ideales Habitat haben. Sie haben keinen Schwanz, sind hasengroß, ihre Sohlen ähneln den von Elefanten mit denen sie tatsächlich verwandt sind…
Der Inlandsflug mit einer Boeing 737 der Camair-Co nach Yaoundé und weiter nach Douala ist für 18:15 – 21:15 Uhr geplant. Übernachtung im deutsche geführten „Seemannsheim“ mit Pool unter Palmen. (F / M-Pn).
SOLLTE der Flug ausfallen, kommt Plan B: Weiterfahrt nach NGaoundére, mit der zuverlässigen Bahn (Liegewagen) nach Yaoundé; Ankunft morgens gegen 8 Uhr, Weiterfahrt nach Douala.

14.-15. Tag / Mo-Di, 2./3.11.: Douala – Edeá (Boot) – Douala - Abflug
Morgens kurze Stadttour im alten Teil der Hafenstadt mit dem ehemaligen Palast des letzten Douala-Königs Manga Bell im Pagodenstil. Dann streifen wir uns je eine leuchtend rote Schwimmweste über und und fahren mit einem gut motorisierten, langen Boot durch Mangrovenwälder an der Küste zur Halbinsel Manoka bis zum lang gestreckten Fischerdorf Yoyo. Das große, langgezogene Fischerdorf direkt am Atlantik wird von vielen "Einwanderern" aus Nigeria, Ghana Niger oder Tschad bewohnt. Der unberührte Sandstrand ist fast 30 km lang.

Danach fahren wir noch etwa 30 Minuten auf dem Sanaga; Kameruns längster, 900 km langer Fuss mündet hier in den Atlantik. Auf der großen Insel gegenüber des Camps sind 10 erwachsene Schimpansen über 14 Jahren, einige Weibchen mit Kindern. Sie und die anderen auf den Inseln werden dreimal täglich vom Boot aus mit Bananen und Ananas gefüttert; ein wunderbares Erlebnis.
Die Schimpansen-"Rasselbande" aus dem Camp hat Ende 2018 ihre zweite Insel bekommen, einige km weiter flussabwärts. Hier leben 14 Schimpansen. Auf beiden Inseln gibt es schon die zweite Generation; die meisten der 14 Kleinen insgesamt wurden auf den Inseln geboren. Die dritte Insel (Yatu, nach dem Dorf dort benannt) ist noch nicht zugänglich und wurde im März 2019 mit vier Schimpansen aus dem Camp belegt - das geht erst ab einem Alter von etwa 12 Jahren. Wie die meisten wurden sie nach Früchten benannt: Mandarine, Banane, Gouyave - und Miel, Honig. Weitere Infos: Stiftung Papaye.
Weiterfahrt mit dem Boot der Stiftung nach Edéa, von dort Rückfahrt (65 km) nach Douala; Tageszimmer im Seemannsheim. Abflug nach Paris um 23:50 Uhr und am nächsten Morgen weiter zu Ihrem Zielflughafen.

 

Leistungen: Programm wie beschrieben; Reiseleitung W. Gartung (ab 4 Teiln.) und Dabala Dji; Mahlzeiten wie angegeben (F = Frühstück, M = Mittagessen, M-Pn - Mittagspicknick (kalt) , A = Abendessen; Inlandsflug Garoua - Douala;  Mineralwasser während der Reise vom 4. - 13. Tag; Reisehandbuch KAMERUN von W. Gartung mit Landkarte.

Nebenkosten: Linienflüge (ab ca. 700 €); nicht enthaltene Mahlzeiten; Visakosten (120 € ); Versicherungen, Trinkgelder.

Weiteres
Tourdaten
Termine / Preise
20.10.2020 - 03.11.2020: 3390.00€

Reiseleitung durch W. Gartung ab 5 Teiln.

Basispreis: 3.390 €
+ Flug (ab ca. 600 €)
Einzelzimmerzuschlag: 200 €
Aufpreis bei 4 Teiln.: +200 € p.P.

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