Tour 250 - Reiseverlauf

Auf den Spuren der Salzkarawanen

Von Agadez nach Bilma, Djado und Fachi

Karte
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Für Wüstenfreunde gehört die Ténéré zu den Traumzielen. Tuareg nennen sie respektvoll “das Land da draußen“, oder “Wüste in der Wüste“. Es ist eine fast 1.000 Kilometer lange Sandfläche, das “leerste“ Wüstengebiet der Erde. Die gewohnten Dimensionen von Zeit und Raum heben sich auf. Bis vor etwa 65 Millionen Jahren lebten hier Dinosaurier, war das gewaltige Sandbecken mit Wasser und dichten Wäldern bedeckt. Von der letzten Besiedlung bis vor 6.000 Jahren künden Pfeilspitzen und Reibschalen. Wir treffen auch auf die legendären Salzkarawanen und besuchen die mysteriöse Ruinenstadt Djado an den hohen Orida-Bergen.
Schon die Anreise ist spektakulär: von der alten Karawanenstadt Agadez (Flug) zu den meisterhaften Felsgravuren von Dabous (Giraffen)zur Oase Timia, von dort durch das mondähnliche Aïr-Bergland zum Felsen-Amphitheater Arakao am Ostrand, gefüllt mit turmhohen Dünen.

Die Republik Niger gehört nicht zu den populären oder bekannten Reiseländern; ebenso wenig die algerische Sahara. Das ist umso besser für Individualisten, die das Besondere suchen. “Besonders“ sind hier Menschen, Kultur und Landschaft in seltener, dem herben Charme angemessener Harmonie.
Niger ist 1.26 Millionen km2 groß; in dem riesigen Gebiet von fast vierfacher Größe Deutschlands leben etwa 22 Millionen Menschen – die meisten im äußersten Süden und Südwesten, dem Niger-Tal. 53% der Bevölkerung sind die sesshaften Ackerbauern der Hausa, weitere ethnische negroide Gruppen sind vor allem Djerma und Sonrhai. Die meist nomadischen Fulbe (Peulh) bilden rund 10% der Bevölkerung, etwa 9% sind Tuareg - die Hälfte von ihnen (rund 300.000 Menschen) leben im Air-Bergland. Niger hat fatalerweise mit das höchste Bevölkerungswachstum weltweit. Im Schnitt kommen 6 Kinder auf eine Frau; die Bevölkerung hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt.

Vor der Ténéré besuchen wir den nördlichen Teil des Air-Berglandes: die Oase Timia und Arakao, die „Krabbenschere“ - dort "branden" Dünenwogen an die dunkle Gebirgsmasse in Form einer Krabbenschere. Durch endlos wirkende, flache Wüste gelangen wir nach Dirkou und Aney, mitten im Sand-Ozean. Auf Felsen nördlich der Salzoase Bilma entstanden Fluchtburgen der hierher deportierten negroiden Kanouri. Die Salzbecken schimmern in Pastellfarben zwischen gelb und rot. Dann fahren wir auf einer südlicheren Strecke in die kleine, extrem isolierte Oase Fachi; auch hier wird Salz produziert.

Wie seit Jahrhunderten durchqueren Karawanen der Tuareg dieses “Land der Furcht“, um in den östlich gelegenen Oasen Datteln und vor allem Salz zu kaufen; bis hin nach Nigeria wird es verkauft. Wir wollen eine dieser Karawanen begleiten. Auch wenn es nur einige Stunden sind: es bleibt unvergesslich, so durch die Ténéré zu ziehen. Der Rückweg führt über die Salzoase Fachi durch die zentrale Ténéré. Diese Saharareise endet wieder in der alten Handelsstadt Agadez, die der Hamburger Heinrich Barth 1850 als erster Europäer betreten hat.

Verkürzung der Reise um zwei Tage – Rückflug von Agadez
Wenn Sie sich auch die Rückfahrt nach Agadez von 1.000 Kilometern sparen möchten, so fliegen Sie dann am 14. Tag direkte nach Niamey zurück (10:40 – 12:40 Uhr) und abends nach Europa bzw. beginnen dann die Verlängerung. Der Reisepreis erhöht sich dann um 200 € p.P. Der HINFLUG mit einer zuverlässigen Turboprop-Maschine von 280 € ist enthalten.

Reise-Charakteristik, Reiseleitung
Diese Reise hat Expeditionscharakter, ist aber für jeden körperlich gesunden Menschen gut machbar. Die beschriebenen Tagesetappen sind unverbindlich und zeigen den “Idealzustand“. Änderungen des Reiseverlaufs sind möglich. Gerade die Unwägbarkeiten einer solchen Reise bilden einen besonderen Reiz.
Wir werden in der Sahara oft eine bis zwei Stunden zu Fuß unterwegs sein. Es ist ein Erlebnis, unter dem gewaltigen Sternenhimmel der Sahara zu schlafen. Sie sind in denkbar besten Händen; Ihre Tuareg-Begleiter sind hier zu Hause und suchen schöne Rastplätze. Natürlich erhalten Sie auch ein Zelt und eine sauber bezogene Schlafmatte.
Mittags gibt es selbstgebackenes Brot und zum Beispiel Tomatensalat mit Reis und Thunfisch. Das Wasser ist gut, wird aber noch aufbereitet. Abends wird von unserem mitreisenden Koch ein schmackhaftes Menü zubereitet. Mineralwasser ist überall zwischen Niamey und Agadez erhältlich und wird gemeinsam vor der Abreise eingekauft. Abends wird vom mitreisenden Koch ein schmackhaftes Menü zubereitet. Unser Partner bietet auch einen kostenlosen Apéritiv und/oder Digestiv an, z.B. Campari-Orange, Pastis oder Whisky.
Die erste Tour ab dem 17.11. wird von Werner Gartung geleitet; der Gründer von OASE REISEN begleitete die Salzkarawane nach Bilma und zurück 1985. Das Buch darüber erhalten Sie der Buchung, soweit dr antiqarische Vorrat noch reicht.

Sicherheit
Wir haben Reisen in den Niger bis 2016 ausgesetzt. Ende Januar 2011 wurden freie Wahlen abgehalten und mit Mahamadou Issoufou zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ein ziviler, Intellektueller Präsident und kein Militär. Im gesamten Reisegebiet gibt es keine Probleme mit Al Khaida- oder sonstigen Terroristen. Der Anschlag um Weihnachten 2019 war nördlich von Niamey und galt einem Militärlager. Da es aber überall „Verrückte“ gibt - und um jedes Risiko in Richtung Null zu senken - sind Militärs mit dabei (zwei Pickups mit MG-Lafette und etwa 5 Soldaten). Die Soldaten sind freundlich und halten sich im Untergrund.

Danke, Fotos
Mille Gracie an Silvia Antonini dafür, dass einige ihrer herrlichen Fotos verwendet werden durften (außer Djado) – sie unternahm diese Reise im Winter 2019.
Ihre komplette Bildstrecke bei flickr

Reiseverlauf *

* Der Reiseverlauf zeigt den “Idealzustand”. Änderungen durch das Terrain, behördliche Probleme oder Witterungsverhältnisse sind möglich.

1. Tag / Di, 17.11.2020: Flug nach Niamey
Flüge mit AIR FRANCE, Ankunft in Niamey um 16 Uhr. Übernachtung im ruhigen Hotel "Le Sahel" oder im Hotel "Terminus" am/beim Niger-Fluss.

2. Tag: Niamey – Flug nach Agadez
Morgens um 7 Uhr etwa zweistündiger Flug mit einer zweimotorigen Turboprop-Maschine (ATR 72-500) von Niger Airlines nach Agadez, der alten saharischen Handelsstadt.
Neben der berühmten Mosche steht der alte Sultanspalast, in dem 1850 als erster Europäer der Forscher Heinrich Barth empfangen wurde. Auf dem Markt treffen sich traditionell Nomaden und Sesshafte, meist Hausa; ab November kommen die Salzkarawanen aus Bilma. Wir besuchen am

Nachmittag auch den Viehmarkt mit vielen Kamelen, Ziegen, Schafen und auch Pferden. Besuch der verwinkelten Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe) - die Menschen sind auch hier freundlich und aufgeschlossen. Wir besuchen auch das Haus, in dem 1850 Heinrich Barth wohnte und ein von außen unscheinbares, aber innen prächtig verziertes altes Bürgerhaus.
Abendessen im italienischen (!) Restaurant Le Pillier, gegründet von Vittorio Giono, der lange mit seiner Tuareg-Frau in Agadez lebte und das größere Restaurant in Niamey eröffnete, nachdem durch die Rebellionen kein Tourist mehr nach Agadez kam. Hier gibt es Pizza, Pasta… und auch Rotwein. (Abendessen nicht enthalten, ca. 10 - 15 € plus Getränke).
Übernachtung im modernen "Ténéré", mit schmucklosen, aber sauberen und klimatisierten Zimmern. (F )

3. Tag: Agadez – Oued Mekkeren (ca. 180 km) 
Gut 60 km nördlich von Agadez passieren wir den Ort Tchirozèrine mit über 80.000 Einwohnern – in der Nähe werden bedeutende Kohlevorkommen abgebaut (Energie für Agadez und den Uranort Arlit ca. 200 km nördlich). Dort werden noch immer knapp 3.000 t Uran gefördert (2015 z.B. über 4.000). Die Asphaltstraße dorthin erreichen wir 12 km hinter Tchirozérine. Sie ist allerdings nur noch in Ansätzen bzw. Resten zu erkennen und wir fahren meist daneben…
Gut 30 km vor unserer Abfahrt von der Straße nach Arlit gen Osten machen wir einen Abstecher von 6 km gen Osten zu den Felsgravuren von Dabous - es sind meisterhafte Darstellungen von Giraffen,

und sie sind ebenso gigantisch: die größte Giraffe (mit ihrem Fohlen) misst 5 m. Zurück auf der Straße, biegen wir nach etwa 40 km nach Osten ab und fahren in das Aïr, das sich vor uns wie eine zackige Mauer erhebt. Es erstreckt sich von Süden nach Norden über 400 km bis zur algerischen Grenze und bildet mit dem dortigen Hoggar-Gebirge eine geologisch-vulkanische Einheit. In vielen Tälern sind traditionelle Mattenzelte und Gärten der hier lebenden Tuareg.
Die Weiterreise führt östlich auf der „natürlichen Autobahn“ durch das sandige Wadi oder kori (Trockental) Andou Mekkerène; diese Täler durziehen wie helle Adern das sonst düstere Bergland. Nach seltenen Sommerregen verwandeln sie sich kurz in reißende Flüsse. Am „Flussufer“ wachsen Akazien, manchmal auch Oleander. Wir suchen einen guten Platz für unser Zeltcamp – man sollte gut auf spitzen Akaziendornen im Sand achten, bevor das Zelt aufgebaut wird… Wir schlürfen nach einem guten Essen den heißen, süßen Tee am Lagerfeuer und sehen in den gewaltigen Sternenhimmel. Und sind spätestens hier angekommen…
(F / M-Pn / A).

4. Tag: Oued Mekkeren – Timia (ca.80 km)
Wir kommen auf die alte Piste nach Arlit und passieren vor Timia schon einige Tuareg-Siedlungen und –Gärten; wie Oufen, wie die Tuareg der aus Timia Futtergras (alemos) für ihre Salzkarawanen schneiden.
Die lang gestreckte Oase Timia ist noch immer sehr traditionell. Die Tuareg der Kel Ewey leben hier auf 1.500 m Höhe in Lehmhäusern sowie Mattenzelten und verkaufen auch schöne Flechtarbeiten aus Bast, ebenso wie Silberschmuck. Im kori (Trockental) wachsen nicht nur viele Dattelpalmen, sondern auch Obstbäume wie Granatäpfel, Weintrauben und Feigen; in den Gärten wird auch Gemüse angebaut. Oasenbauern zeigen uns mit Stolz ihre Gärten; das Wasser wird meist mit einem Zebu-Rind aus den tiefen Brunnen gefördert.

Die deutsche Entwicklungshilfe hat hier ab Ende der 70er Jahre Rückhaltebecken für das seltene Regenwasser unter Mitwirkung der Tuareg gebaut, später auch eine Piste durch die Felsen zum kleinen „Wasserfall“ (cascade), wir natürlich besuchen. Die restaurierte, französische Kolonial-Bastion Fort Massu thront noch immer hoch über der Oase und wir haben von hier aus einen entsprechend schönen Blick. Das Fort diente bis etwa 2010 als Herberge, musste dann aber durch ausbleibende Touristen (Sicherheitslage) aufgegeben werden.
Übernachtung in einer einfachen, nur selten benutzten Herberge (Auberge) mit Lehmhäusern oder im Zelt..
(F / M-Pn / A).

5. Tag: Timia - Issaouane (240 km) 
Das schwarz-ockerbraune Fels-Trümmerland des Aïr hat einen starken Reiz. Wir kommen nach Assodé, den Ruinen der einstigen Tuareg-Hauptstadt – gegründet im 11 Jh., vom Sklavenhandel profitierend, verlassen Ende des 19. Jh. Von hier aus fahren wir durch zunehmend sandige und breitere Wadis (Trockentäler) nach Osten, über Issaouane in das Oued von Zagado. Nur noch 50 km Luftlinie trennen uns jetzt von der offenen Wüste. Zweites Zeltcamp.
(F / M-Pn / A).

6. – 7. Tag: Issaouane – Arakao - Anakom – Adrar Madet (ca. 140 km)
Wir fahren weiter nach Osten, zwischen den Bergmassiven Takalakouzet (1.295 m) und Taghmert (1.637 m), die wie zerborstene Zitadellen aus Schutt- und Sandmassen aufragen; der Taghmert ist von kreisrunder Pudding-Form. Das Trockental, kori Zagado, endet dann bald in den Sandmassen der Ténéré, die gegen die steinerne Ostflanke anbranden – wie Wellen eines erstarrten, gelben Ozeans. Unsere Geländewagen folgen dieser Trennlinie, bis zur „Krabbenschere“ von Arakao, einem fast runden Talkessel, gefüllt mit Dünen: ein magischer Ort.
An Felshügeln stehen runde Tumili – Gräber aus dem Neolithikum, als die Sahara noch eine grüne Savanne war; wir sehen Felsgravuren. Es ist nicht schwer, die Sandberge zu erklimmen und oben entlang des Dünenkamms zu gehen – mit dem Blick auf gewaltige Sandmassen, in die grenzenlose Weite der Ténéré und die schwarze Mondlandschaft des Air. Wer hier oben einmal saß, wird diese Eindrücke nie mehr vergessen.
Am nächsten Tag fahren wir dann zu den nahen Felsgravuren von Anakom; vor uns liegt nun die vollkommen flache, scheinbar unendliche Weite der Ténéré, einem einstigen Meeresboden. Es geht nach Osten, zum Inselberg Adar Madet, rechts in der Satellitenkarte zu sehen. Wir verbringen die erste Nacht in der Einsamkeit der Ténéré. Wenn die Sonne hinter dem linealgeraden Horizont versinkt und die Sterne so klar und hell wie nie gesehen aufleuchten, fühlen wir uns wie Astronauten auf einem fremden Planeten.
(F / M-Pn / A).

8. Tag: Adrar Madet – Dirkou – Aney (ca. 210 km)
Etwa 200 km Fahrt durch vollkommene Leere, dann erreichen wie die verwitterte Sandsteinstufe von Achégour mit einigen krüppligen Akazien um einen Brunnen – einzige Wasserstelle für die Karawanenleute und ihren Kamelen zwischen Bilma und den Bergen des Aïr. Nicht der Mangel an Wasser, sondern an Futter für die Kamele ist das Problem der Tuareg auf ihren Karawanen durch die Ténéré. Brauchen sie auch nur einen Tag länger als eine Woche für die jeweils 500 Kilometer, riskieren sie den Zusammenbruch und Verlust der ersten Kamele. So gehen sie täglich mindestens 16 Stunden und rund 70 Kilometer am Tag. Es ist kaum vorstellbar, dass sich hier ein Ur-Ozean befand und bis vor etwa 6.000 Jahren hier Menschen siedelten; davon künden Reibschalen oder Pfeilspitzen,

Von hier aus sind es noch ca. 150 km – wie immer ohne feste Piste – auf dem harten Sandboden nach Dirkou, dem Hauptort hier am „anderen Ende des Ozeans“: Formalitäten, Tanken, Einkäufe von Gemüse, Fleisch… das „commerce“ hier betreiben viele Tschader.
Wir folgen nun der falaise nach Norden, einer vollkommen verwitterten Sandstein-Steilstufe. Nur wenige km nördlich versteckt sich der See von Arrigui, von den Tuareg Elki Guernama genannt. Hier wird Natron produziert, das zusammen mit dem Kautabak verwendet wird. Umgeben von Palmen, ist er stark versalzen. Gelegen ein einer geologischen Bruchverwerfung, gibt es hier viele Brunnen; in Bilma weiter im Süden (Besuch morgen) drückt das Wasser durch alte Salzschichten. Wir campen in der kleinen Oase Aney; auf einem einzelnen Sandsteinfelsen stehen noch die Ruinen einer Fluchtburg; hier brachten sich die negroiden Kanouri bis zum 19. Jh. vor Sklavenjägern in Sicherheit.
(F / M-Pn / A).

9. Tag: Aney – Djado – Richtung Bilma (ca. 260 km) 
Etwa 100 km nördlich von Aney kommen wir zum Ort Séguidine beim Inselberg, Pic Zoumri mit ihren hier typischen Seribas (quadratische Hütten aus Palmenwedeln). Neben der Piste nach Nordwesten (Djado, unser heutiges Ziel) zweigt hier noch eine Piste via Madama nach Algerien ab (Sperrgebiet) und eine nach Osten, rund 300 km zum Nord-Tschad (auch verboten, da im Grenzgebiet vermint). Legionäre legten diese Pisten in den 60er Jahren an. Kurze Militärkontrolle hier in diesem gottverlassenen Ort mit Goldsuchern in der Nähe….der Rush begann 2014 in Djado und hat sich ab 2017 weiter nach Süden in das Nord-Aïr verlagert.
110 km weiter: die Siedlung Chirfa. Von hier aus sehen wir schon die domartigen Granitberge von Orida im Süden des wild zerrissenen Djado-Plateaus und bald auch (10 km von Chirfa) die lange verlassene Lehmsiedlung von Djado wie kariöse Zähne, umgeben von Schilf und Sümpfen. Noch deutlich ist die hohe Stadtmauer zu erkennen; Luftbilder zeigen den Ort wie eine gigantische Bienenwabe. Wissenschaftler entdeckten hier Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 7. Jahrhundert, die dann später von der Wehrstadt umbaut wurde. Unser Führer zeigt uns die Gebetsnische mit einem christlichen Kreuz in Wulsttechnik und die Stelle über dem Türsturz, in dem ein Topf mit einem menschlichen Herzen gefunden wurde. Die Stadt wurde im 18 Jh. verlassen – offenbar aufgrund der vielen Mücken in den Sümpfen. Die treiben bis heute ihr Unwesen, weshalb wir nach weiteren unglaublich schönen Eindrücken umkehren und bei Séguidine unser Camp aufschlagen.
(F / M-Pn / A).

10. Tag: Bei Séguidine – Bilma - Fachi (ca. 290 km) 
Wir fahren zurück nach Dirkou und 35 km südlich in die berühmte Salzoase Bilma. Sie ist das Ziel der Karawanen, die nach 7 Tagen – 70 km pro Tag, meist zu Fuß, da die Kamele beladen sind – hier ankommen, um Salz zu kaufen. Stark salzhaltiges Wasser quillt hier an die Oberfläche und verdunstet in rötlich-gelb-braunen, weiß mit Salz verkrusteten Becken. Der Salzschlamm wird wie seit Jahrhunderten von Frauen in Schüsseln zu den halbkugligen fotchi geformt, von Männern in Palmstämmen zu den länglichen, großen kantu – hellgrau, wirken sie wie Teile von Tetrapoden zum Küstenschutz.

Bilma besteht aus armseligen Häuschen aus Salzlehm, aber wer aus der erbarmungslosen Ténéré kommt, findet hier etwas Schatten – und auch gutes Wasser.
Westlich von Bilma fahren wir zunächst in den “Gassen“ zwischen lang gezogenen Dünenketten, die durch den Nordost/Südwest-Passat diagonal zur West-Ostrichtung verlaufen. Die alte Oase Fachi liegt wie in kosmischer Isolation. Heute leben hier nur noch etwa 1.000 Menschen: meist negroide Kanouri (die wie in Bilma im Mittelalter vom Herrscher des Reiches von Kanem-Bornu am Tschadsee zwangsweise angesiedelt wurden). Die Salinen sind klein, das Salz von Bilma gilt als besser. Schon lange können sich die Bewohner der Oase nicht mehr allein vom Salzverkauf ernähren. Lastwagen der Kooperative bringen auch die guten Datteln von Fachi nach Bilma und Agadez; die Oase ist seither wirtschaftlich weniger isoliert. Das alte Fachi wird von der Lehmburg Dada überragt; im Innern stehen riesige Tonkrüge. Hier konnten die Einwohner Belagerungen durch die Tuareg überstehen. Camp außerhalb der Oase, vorbei an weißen Kalkbänken von Kieselalgen – Ablagerungen des Ur-Ozeans.
(F / M-Pn / A).

11. – 12. Tag: Fachi – Agadez (ca. 440 km)
170 km westlich von Fachi steht der Ex-Arbre du Ténéré – ein Metall-„Baum“ neben einem Brunnen. Das Original, eine Akazie, steht im Museum von Niamey in einem Pavillon und wurde 1973 von einem ziemlich bescheuerten Lkw-Fahrer umgefahren, der einzige Baum im Umkreis von 400 Kilometern… Der Brunnen von Tazolé, gut 110 km weiter westlich, befindet sich schon am Südrand des Aïr-Berglandes. Zwischen hier und Agadez passieren wir die stark verwitterten Reste der falaise von Tiguidit, die sich halbkreisförmig um Agadez legt. Ca. 60 km Luftlinie südlich ist der bedeutenden Dinosaurier-Fundort von Gadafoua. Der Fundplatz wurde schon 1958 auf der Suche nach Uran entdeckt und ab den 70er Jahren erforscht; Auch Knochen von über 12 m langen Ur-Krokodilen wurden gefunden. Ein vollständig erhaltenes Saurierskelett ist im Nationalmuseum von Niamey zu sehen.
Erst ein kaltes Bier oder erst die Dusche in Agadez? Übernachtung wieder wie zu Beginn.
(F / M-Pn)

13. Tag: Agadez – Tahoua (405 km)
Die „Straße“ (kein Asphalt mehr zwischen Agadez und Tahoua, meist fährt man daneben...) verläuft in südwestlicher Richtung. Knapp 100 km hinter Agadez passieren wir die verwitterten Reste der Sandstein-Steilstufe („Falaise“) von Tiguidit. Die Landschaft ist flach-wellig, unendlich weit, sandig, durchsetzt mit einzelnen Akazien. Hier nomadisieren die Fulbe oder Peulh-Bororo wie seit Jahrhunderten mit ihren Kamelen, Ziegen und Schafen. Der Ort Abalak hat sich von einem Zentrum für Nomaden zu einer kleinen Stadt gemausert. 140 km weiter erreichen wir Tahoua, Hauptort der Ader-Region. Er befindet sich im Übergangsgebiet von sesshaften Ackerbauern und scheinbar endlosen sahelischen Trockensteppen. Abendessen/Übernachtung im neueren Hotel Tarka mit sauberen, guten Zimmern.
(F / M-PN / A).

14./15. Tag: Tahoua - Niamey (ca. 500 km) – Rückreise oder Verlängerung
Südlich von Tahoua fahren wir 70 km  weiter ab auf eine Piste, vorbei an sehr schönen Hausa-Dörfern (wie Salewa) - auch die großen, bauchigen Hirsespeicher sind aus dem rötlichen Lehm der Gegend gefertigt. Diese Gegend ist durch Täler und den niedrigen Grundwasserspiegel recht dicht besiedelt; es wachsen hier auch Mangobäume. Wir besuchen das Dorf Yaama mit seiner großen, kunstvollen Lehm-Moschee, mit deren Bau 1960 begonnen wurde; 1986 wurde sie von der Aga Khan-Stiftung ausgezeichnet. In den Jahren sind fast 30 (kleinere) Moscheen hier im Umkreis von 10 Kilometern entstanden - einzigartig!
Zwischen Dosso und Niamey wollen wir der größten Giraffenherde Westafrikas einen Besuch abstatten. Ein lokaler Führer setzt sich zu uns und weist den Weg durch trockene Buschsavanne nach Norden. Vor über 100 Jahren zogen die letzten Giraffen des Air-Berglandes gen Westen zum Niger und von dort aus vor einigen Jahrzehnten in diese Gegend. Durch die Freundlichkeit der hier lebenden Djerma und ihr Verständnis (oft zertrampeln die Huftiere auch Hirsefelder) konnten die Tiere sich vermehren; mit über 500 Tieren lebt hier die größte Giraffenherde Westafrikas. Und das nicht in einem Nationalpark, sondern als "Nachbarn". Durch diese gegenseitige Freundlichkeit können wir die sanften, neugierigen Riesen meist aus nächster Nähe beobachten.
Tageszimmer zum Duschen und Umziehen; Gegen 21 Uhr zum nahen Flughafen und vor Mitternacht Rückflug nach Paris und zu Ihrem Zielflughafen.
(F / M-Pn).

Leistungen: Genanntes Programm mit allen Transfers; Reiseleitung durch Werner Gartung (ab 6 OASE-Teiln.), Mahlzeiten wie angegeben, Sicherheitsgebühr von ca. 500 € p.P. für die Militärbegleitung,  Inlandsflug Niamey – Agadez; Detailkarte Niger, Sicherungsschein.

Nebenkosten: Flüge, Visakosten (61 €),  Versicherungen, Trinkgelder, persönliche Ausgaben.

Die Tuareg in Niger
Alle, die tamaschek (das Tuareg-Idiom) sprechen, sind Tuareg, sagen sie selbst – dann kommt man auf etwa 1,3 Millionen Menschen in Niger, Algerien, Mali und Libyen. Etwa 900.000 davon leben in Niger (Gesamtbevölkerung: ca. 18 Millionen). Der Sultan der alten Karawanenstadt Agadez ist di oberste Instanz aller Tuareg in Niger - wir werden ihn in seinem traditionellen Palast besuchen. Von den 5 Fraktionen (Gruppen) mit fast einer halben Million Menschen ist die der Kel Air (nördlich von Agadez) die größte. Das Kunsthandwerk (Silberschmiede, Kamelsättel) ist höher entwickelt als bei den Tuareg in Süd-Algerien.
Trotz aller Probleme, vor allem periodischer Dürrezeiten, ist der Karawanenhandel noch lebendig: jedes Jahr zwischen Oktober und Januar ziehen Karawanen durch die Ténéré-Wüste zur Salzoase Bilma – 500 Kilometer pro Strecke, 70 km pro Tag. Das Viehsalz wird bis nach Nigeria verkauft. Lastwagen sind hier kaum eine Konkurrenz; es geht nicht um Schnelligkeit sonder darum, dass das Salz überhaupt ankommt.
Im Februar 2007 ist es im Norden erneut zur Revolte der Tuareg gekommen – die letzte große Rebellion war 1990-95 unter Mano Dayak. Die Gründe für den Konflikt: die historisch gewachsene “Marginalisierung” der Tuareg, eine allgemeine Benachteiligung des Nordens und die Exploration (insbesondere durch Frankreich und China) der reichen Uranvorkommen – verbunden mit einem Gesundheits- und Umweltrisiko für die dort lebende Bevölkerung. Die Forderungen der Tuareg sind seit 2011 weitgehend erfüllt und Premierminister ist seitdem der Tuareg Brigi Rafini.

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Tourdaten
Termine / Preise
17.11.2020 - 01.12.2020: 3890.00€
01.12.2020 - 15.12.2020: 3590.00€


Basispreis: 3.890 €
+ Flüge (ab ca. 750 €)
EZ-/.Zeltzuschlag: 250 €
Rückflug von Agadez statt Rückfahrt: + 180 €

Quer durch die Ténéré, die "Wüste der Wüsten" mit W. Gartung
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D -69151 Neckargemünd

Mobil: + 49 (0)176 11 83 53 11
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